Argentinien Cordoba – Rosario – Atlantikküste – Peninsula Valdés

Argentinien Cordoba – Rosario – Atlantikküste – Peninsula Valdés

Cordoba
Innenhof Uni
Innenhof Uni

Während der nächsten Wochen queren wir den halben Kontinent an die Atlantikküste, um dort den Sommer am Meer zu geniessen und uns langsam in Richtung Süden zu bewegen. Wir nehmen von Mendoza aus den Nachtbus und diesmal haben wir Suiten gebucht, um richtig gut schlafen zu können. Nach 10 Stunden Fahrt, in denen wir recht gut geschlafen haben, treffen wir bereits um sieben Uhr früh in Cordoba, der zweitgrössten Stadt von Argentinien ein. Vom Terminal begeben wir uns direkt zum Hotel und wir können sogar schon zu dieser Tageszeit das Zimmer beziehen. Herrlich so eine Dusche nach einer Nacht im Bus.

Cordoba mit eineinhalb Millionen Einwohnern ist nicht etwa langweilig, so haben wir hier vier Nächte gebucht und machen uns nun daran, die Rosinen hier zu finden. Es gibt hier 7(!) Universitäten und somit viele junge Leute, die für ein turbulentes Leben sorgen. Schnell finden wir auch das Quartier Güemes, wo die Hippieszene von Argentinien beheimatet ist und nach 18.00 Uhr eine grosse Anzahl Verkaufsstände mit Handwerksarbeiten und Kleinkunst aufgebaut werden. Selbstverständlich fehlen auch nicht die lässigen Restaurants in der Nähe, wo wir sehr gut speisen.

Cordoba hat auch eine sehr interessante Geschichte. Hier liessen sich die Jesuiten in Südamerika nieder, die neben den berühmten Missiones auch sehr viel für die Bildung geleistet haben, auch viele eindrückliche Baudenkmäler zeugen davon. Viele Zeugnisse sind zu sehen im Museo historico de la universidad nacional de Cordoba, mit einer Bibliothek mit unzähligen Bänden und Karten von unschätzbarem Wert. Aus der jüngeren Geschichte gibt es auch weniger schöne Erinnerungen an die Exzesse der Militärdiktaturen, so im Museo de la Memoria und im früheren Frauengefängnis ist heute das Kulturzentrum Paseo del buen Pastor. Wo früher gefoltert wurde, finden sich heute Kunst und Cafés. Zwei Museen besuchen wir, den Palacio Ferreyra (auch Museo Eva Perón). Es ist ein prunkvolles früheres Privathaus, das erahnen lässt, was sich die Reichen hier leisten konnten. In einer sagenhaften Umgebung findet man hier Ausstellungen, die verschiedenen KünstlerInnen gewidmet sind.

Gleich daneben mit dem gleichen Ticket kann man in das Museo Provincial de Bellas Artes – wirklich gute Kultur. Auf einer Stadtrundfahrt lernen wir noch die weiteren Höhepunkte dieser grossen Stadt kennen.

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Auch das stimmt natürlich

Am Abend vor unserer Weiterreise essen wir in einem Restaurant im Barrio Güemes. Zu unserem Erstaunen hat es hier eine grosse freie Fläche, wo ein Tangolehrer mit seinen Schülerinnen und Schülern die ganze Zeit, während wir hier sind, mit Inbrunst Schritte, Bewegungen und Kombinationen üben. Das sind nicht etwa nur alte oder junge Teilnehmer, sondern ein buntes Gemisch auch was die Begabung für den Tanz angeht. Um elf Uhr (für die Argentinier eher früh am Abend) gäbe es auch noch eine Tangoshow, die wir heute auslassen. Hier noch eine guter Spruch, was uns Grosseltern betrifft, schoen nicht?

Rosario
Die nächste Busfahrt Richtung Osten, nach Rosario machen wir während des Tages. Dabei wird uns wieder bewusst, wie gross dieses Land ist. Es sind zwar nur etwa 450km und 6 Stunden Busfahrt, aber es gibt hier nicht das kleinste Hügeli. Es ist eine flache, grüne und sehr fruchtbare Landwirtschaftsgegend. Weizen, Mais, Soya und Sonnenblumen wechseln sich ab, die einzelnen Felder sind oft einige Kilometer lang. Dazwischen die riesigen Getreidesilos. Dann auch wieder die Weiden mit Bäumen und den Tausenden von Kühen – ohne Gedränge, die Tiere verlieren sich fast auf den grossen Weiden, es gibt ausreichend Platz. So geht das tagelang, wenn man mit dem Bus Argentinien bereist. In Rosario treffen wir wieder auf den Rio Paranà, den wir schon 700km flussaufwärts in Corrientes kannten. Es ist neben dem Amazonas der zweitgrösste Fluss des Kontinents und ein wichtiger Fluss für den Transport von Gütern. Schiffe mit bis 10m Tiefgang können ihn bis ziemlich weit flussaufwärts befahren, so sehen wir in Rosario mitten im Fluss einen chinesischen Getreidefrachter, der auf seine Ladung wartet. Obwohl es noch mehr als 400km bis zur Mündung bei Buenos Aires ist, liegt Rosario auf einer Meereshöhe von lediglich 20müM.
Als wir mit dem Taxi vom Terminal zum Hotel fahren, stinkt es immer mehr nach verbrennten Plastik und Susy macht den Fahrer darauf aufmerksam und dieser befiehlt uns, sofort das Taxi zu verlassen und rennt mit dem Feuerlöscher herum. Es scheint, dass sich ein Lautsprecher oder das Kabel überhitzt haben und es raucht….. Mit einem anderen Taxi kommen wir trotzdem gut an.

Rosario ist nicht etwa nur der Geburtsort von Ché Guevara oder die Stadt, wo Lionel Messi gelernt hat Fussball zu spielen. Es ist dank der Lage am Paranà der wichtigste Binnenhafen, und war früher mehr als heute eine boomende Stadt, die Lage am Fluss privilegiert sie. Es ist wirklich entlang des Wasserstromes gebaut, von Norden nach Süden mehr als 15km. Ganz wichtig, hier ist das Monumento Nacional de la Bandera, der Flagge von Argentinien.
Am Abend promenieren wir am Fluss, wo es diverse schöne Cafés und Restaurants gibt mit Fischen aus Fluss und Meer. Was uns auffällt, sind die vielen Hunderte von JoggerInnen, die sich bei Temperaturen von über 30 Grad an der Uferpromenade abmühen. Überhaupt ist die Temperatur wieder ein Thema geworden, von dem uns alle versichern, dass dies eine Ausnähme sei und nicht normal. In dieser Woche werden hier über 45 und in der Nähe von Santa Fé sogar über 53 Grad gemessen. Alle stöhnen und wir suchen den Schatte, wenn immer es geht und es stellt sich ein enormer Wasserkonsum ein. Zur Abkühlung gehen wir auf eine Insel zum baden. Es ist nicht möglich barfuss auf dem Sand zu laufen, der schätzungsweise 70 Grad heiss ist, aber auch das Flusswasser ist sicher um die 30 Grad warm, was auch keine wirkliche Hilfe ist. 

Am nächsten Tag buchen wir erneut eine Fahrt auf einem Boot. Ausser uns ist niemand dabei, aber wir lernen viel. Z.B. dass der Paraná auf der Ostseite ein 60 – 80km breites System aus Inseln und Wasserwegen bildet, das sich bis an die Mündung bei Buenos Aires erstreckt. Dann werden wir in das private Casa de la Fin de Semana des Bruders des Bootsführer eingeladen. Auf den vielen Inseln gibt es unzählige Ferienhäuser von Rosariern, alle mit Grundstücken von einigen tausend Quadratmetern und das Boot ist ein alltägliches Verkehrsmittel. Wir halten uns wegen der Wärme immer in der Nähe des Paraná auf. Auf einem Spaziergang treffen wir Jaime Fuksman, 86 jährig, vor über 70 Jahren aus der Ukraine hier eingewandert und welcher sehr bewandert über das Weltgeschehen und die Schweiz ist. Später treffen wir den Messerschleifer auf dem Velo, der die Velopedale benutzt um den Schleifstein anzutreiben.

 Pinamar
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Strand von Pinamar
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Reklameflieger

Von Rosario aus fahren wir im Schnellbustempo in zwei Tagen über Buenos Aires – Mar del Plata in den Nobelbadeort Pinamar. Weil der Bus ab Buenos Aires mehr als eineinhalb Stunden Verspätung hat, treffen wir erst nach 21 Uhr in Pinamar ein. Wir logieren für 4 Nächte im wirklich teuren Hotel Bagu, das uns schon beim Buchen viel Kopfzerbrechen bereitet hatte. Als sich nun auch noch herausstellt, dass es eine Bruchbude mit schlechtem Service ist, sind wir schon etwas enttäuscht, aber wir können nicht ausziehen, es gibt nichts anderes. Als wir am nächsten Tag an den Strand gehen, begreifen wir wofür Pinamar so bekannt ist – mehr als 20km herrlicher Sandstrand, wo wir die nächsten 2 Tage baden gehen. Nach der Hotelerfahrung mieten wir uns für teures Geld, aber mit gutem Service einen schattenspendenden Unterstand mit Stühlen und einem Tisch.

Am Schatten lässt sich so auch die Hitzewelle gut überstehen. das Wasser des Südatlantiks ist hier etwa 21 Grad warm, aber es hat viele Wellen und weit schwimmen kann man nicht, aber es hat einige Surfer. Man kann hier leicht während des ganzen Morgens am Strand entlang nach Süden laufen, in einem Café etwas essen und am Nachmittag wieder zurückgehen. Man findet sich dabei die ganze Zeit in einer grossen Ansammlung von Sonnenhungrigen. Pinamar als berühmter Bdaeort hält nicht das, was wir erwartet hatten, der Strand und das Baden gefällt uns super, aber der Ort ist eher eine Ansammlung von skurrilen Baustilen und dreckig, hässliche Hochhäuser neben kleinen Häusern, aber es gibt z.B. keine anständigen Trottoirs vor den Schickerialäden. Als es am nächsten Tag regnet, bilden sich richtige Seen, weil das Wasser nirgends ablaufen kann und es kommt zum Verkehrszusammenbruch. Als wir von Pinamar weggehen kommen wir endgültig in den Süden, während der nächsten drei eher langen Busetappen fahren wir über via Bahia Blanca – Viedma in Patagonien ein. Unser erstes Ziel hier ist die Peninsula Valdes. Auf der Fahrt nach Puerto Madryn wird das Land nach mehreren tausend Kilometern wieder hügelig und in Sierra Grande gibt es die ersten Berge am Horizont, aber nach einer halben Stunde ist der Spuck wieder vorbei und das Land flach wie eh und je.

Puerto Madryn – Peninsula Valdés – Punta Tombo
Patagonien – der Name alleine lässt schon staubige unendliche lange Strassen erahnen. Hier wo die Estancias so gross sind, wie in Europa die Kleinstaaten und wo auf einer Estancias bis zu 30’000 Schafe weiden, wo aber auch nichts grün ist, sondern alles Steppe. Wegen eines Busfahrerstreiks beschliessen wir hier fünf anstatt der geplanten drei Tage in Puerto Madryn zu bleiben.

Das zahlt sich auch aus, denn es ist wirklich schön und sauber. Schon am nächsten Tag machen wir einen Ausflug auf die Peninsula Valdes, die zwar auf der Karte von Argentinien klein aussieht, aber wenn man darauf fährt sich als echt gross herausstellt und unser Tagesausflug ist mehr als dreihundert Kilometer lang. Wir haben einen sehr guten Führer, der uns anschaulich die Halbinsel und die verschiedenen Tiere, die uns erwarten, erklärt. So werden wir Seelöwen und See Elefanten und viele Wasservögel sehen und auf dem Lande Guanacos, Maras eine Art südamerikanische Hasen, dann aber auch europäische Hasen und Choiques, die südamerikanischen Strausse. Es dauert auch nicht lange, sehen wir bereits diese Tiere. Über die Halbinsel ist wissenswert, dass es darauf nur wenige Schaffarmen gibt, deren grösste über 120’000ha (1’200km²) Fläche ausweist. Bei den Naturfreunden ist diese Halbinsel bekannt, weil hier jedes Jahr vom März bis Dezember die Ballenas Francas Australes (Wale) herkommen zum Gebären und Aufziehen der Kälber. Ungetüme mit 25m Länge und 45to Gewicht. Diese werden wir zwar nicht sehen, aber es gibt noch genug sonst, z.B. ganze Kolonien von Seelöwen und See Elefanten. Die ganze Halbinsel ist ein Welterbe der Unesco.

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Kaktusartige Gewächs am Meer

Im schönen Punta Pirámide, dem einzigen Dorf auf der ganzen Halbinsel machen wir mit einem Boot eine Rundfahrt und wir können die beschriebenen Tiere hautnah sehen und fotografieren. Nach der Wegfahrt aus diesem Dorf ist Fototermin, neben uns sind noch sieben Frauen aus Italien dabei für das Gruppenfoto, nun ist auch die asphaltierte Strasse zu Ende und die nächsten 200km sind Naturstrassen. Wir queren die Halbinsel gegen Osten zum offenen Atlantik, immer Büsche und einige Schafe, nur eines pro vier Hektaren (!), wegen der Überweidung. In Punto Delgado Essen wir zu Mittag und gehen nachher zur See Elefanten Kolonie, das sind so faule Kolosse, die ständig nur liegen und sich etwa alle halbe Stunden drehen.

Am nächsten Tag ist das Wetter nicht so schön und wir haben auch keinen grösseren Ausflug geplant, also kümmern uns deshalb um die Highlights von Puerto Madryn. Den sehr langen Sandstrand, dem wir entlanglaufen bis zu einem Kap, das wir von weitem sehen mit skurril geformten Felsen aus Sandstein und eine Gedenkstätte an die walisischen Siedler, die vor mehr als zweihundert Jahren hier gelandet sind und dann  Vertiefungen im Sandstein weiter aushöhlten, mit Holz zudeckten und dann darin zu leben und das z.T. Über 50 Jahre. Wenn man sowas liest und sich vorstellt, wie beschwerlich es war damals zu reisen und wie einfach wir heute in wenigen Tagen das sehen können, wofür man früher Jahre brauchte.

Am nächsten Tage fahren wir  zur Punta Tomba, dort gibt es eine Pinguinkolonie mit mehr als einer Million Pinguinpaaren. Auch diesmal werden wir überrascht von der Qualität der Führerin Marta, die uns sehr viel über das Land und diese Tiere zu erzählen weiss. Die Fahrt geht nach Süden, auf der Fahrt ist nicht viel zu sehen – doch halt wir sehen die schönste Gedenkstätte für Gauchito Gil, eine Art Volksheiliger in Argentinien, von dem man überall entlang der Strassen solche grössere und kleinere Gedenkstätten sieht.

Gauchito Gil
Gauchito Gil

Er ist nicht etwa ein religiöser Heiliger, sondern eher eine Art argentinischer Robin Hood und der Patron der Strasse. Obwohl nicht heilig pilgern in Corrientes an seinem Todestag tausende zu seinem Grab. Auch heute gibt es wieder ein beträchtliches Stück staubige Naturstrassen, bevor wir in Punta Tomba ankommen. Was wir hier zu sehen bekommen, hat Mühe und Geld auf jeden Fall gelohnt. Im Informationszentrum, einem architektonisch durchgestylten Bau, werden wir über die Lebensumstände dieser Magellan-Pinguine und deren Umgebung anschaulich aufgeklärt. Dann geht es auf den Rundgang, wobei aus Rücksicht auf die Tiere nur etwa ein Zehntel der ganzen etwa 20km langen Halbinsel für das Publikum freigegeben ist. Aber auch dieser Rundgang dauert immer noch fast 2 Stunden. Diese Tiere graben sich ein Nest, worin ein Pärchen haust. Sie graben sich ein, um sich vor der sengenden Sonne zu schützen. Hier werden auch die Eier ausgebrütet und die Jungen aufgezogen, was eine Sache von Vater und Mutter ist. Die Jungen werden mit Fischen aus dem Meer gefüttert, welche Vater oder Mutter schon geschluckt haben und die im Nest wieder heraufgewürgt werden, dabei will oft ein fremdes Junges noch mitessen, welches aber unbarmherzig vertrieben wird. Die Jungen wachsen sehr schnell innert drei Monaten zu voller Grösse von 50cm heran und brauchen entsprechend viel Futter Und entsprechend gierig ist die Fütterungsszene. Am Ende der Sommersaison verlassen die Eltern die nun ausgewachsenen Jungen und die ganze Kolonie zieht gegen Norden in wärmere Gewässer vor Brasilien. Und im nächsten Jahr kehren Vater und Mutter ins genau gleiche Nest zurück. 


Es wurde uns auch erzählt, dass die Pinguine immer weiter hinausschwimmen müssen, um sich die nötige Nahrung zu beschaffen, was für diese Tiere ein grosser Energieverlust ist. Zurückzuführen ist das auf das immer wärmer werdende Meer, was bewirkt, dass die Fische weiter draussen im Meer sind, es ist ein wirklich interessanter Tag. Als auf der Rückfahrt am Strassenrand eine der vielen blauen Tafeln entlang der argentninischen Strassen mit gezeichneten Inseln und der Aufschrift „por Argentina siempre“ sehe, frage ich Marta nach der Situation der Malvinas (Fakland-Inseln). Für alle, wirklich alle Argentinier, unabhängig von politischer Richtung, ist es ganz klar, diese Inseln gehören zu Argentinien und es tut den Argentiniern weh, dass diese britisch sind. Scheinbar gibt es jetzt wieder etwas argentinischen Tourismus zu den Malvinas und die jungen Fakländer studieren an argentinischen Universitäten und es gibt Heiraten zwischen Argentiniern und Falkändern. Das beste am Krieg sei gewesen, dass dieser eigentlich den Anfang vom Ende der Militärdiktatur eingeläutet habe.
Von Puerto Madryn aus queren wir ein weiteres Mal den Kontinent, der inzwischen aber einiges schmaler geworden ist. In einer Nachtbus Fahrt von 14 Stunden fahren wir nach Bariloche. Was dort und auf dem letzten Teilder Reise nach Süden los ist, schreiben wir im nächsten Bericht.
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