Entlang des Toggenburger Höhenweges

Entlang des Toggenburger Höhenweges

 

Die Wandertour der vier Altherren vom ATZ wurde dieses Jahr erst in der zweiten Woche im Oktober durchgeführt. Wie das bei Pensionierten so üblich ist, hatten zu viele andere Verbindlichkeiten ein früheres Inangriffnehmen vereitelt und die Tour immer weiter hinausgeschoben. Willi hatte angesichts des späten Zeitpunktes denn auch eine hohe und eine tiefe Variante ausgearbeitet. Schon im Vorfeld wurde klar, dass die gröbere Variante mit Gipfeln von über 2’500müM kaum stattfinden würde. So trafen wir uns denn am 10. Oktober in Steg im Tösstal. Bei der Hinfahrt hatten wir in Rüthi noch Sonne, aber das sollten für die nächsten zwei Tage die letzten Strahlen gewesen sein.

Von Steg bis nach Amden

Nach einem Kaffee mit Nussgipfel nehmen wir den erst steilen Aufstieg Richtung Schnebelhorn 1’292müM in Angriff. Zuerst ziemlich steil und später im Nebel, dieser zeichnet oft phantastische Figuren in den Wald. Es hat wenig Leute, erst auf dem Schnebelhorn treffen wir ein junges Ehepaar, die uns erzählen, sie würden über alle Berge von Bassersdorf bis ins Lumnetz wandern, wow!

 

Wir haben jetzt bereits die Höhe erreicht und durch die unendlichen vielen Hügel und Gipfel des Zürcher Oberlandes touren wir weiter, immer etwas auf und etwas ab in Richtung Chrüzegg, dem heutigen Etappenziel. Hier beziehen wir unsere Zimmer, Röbi und ich im Doppelzimmer und Kurt mit Willi im 8er Zimmer, weil Willi nicht im Doppelbett mit einer Matratze schlafen will. Es sind noch einige andere Leute hier, vor allem Familien, wir sind hier ja sehr nahe vom unteren Toggenburg. Die Unterkunft mit Essen und Zimmer auf der Chrüzegg ist durchaus empfehlenswert. Am Abend essen wir reichhaltig und auch die Diskussionen und das Spielen kommen nicht zu kurz.

Nach einem guten Frühstück unüblich spät um halb neun packen wir und machen uns an den Abstieg Richtung Rickenpass. Nach etwa einer halben Stunde laufen hören wir das Ballern von Schüssen und kommen wenig später zu einer Schiessanzeige unserer Verteidigungsarmee. Diese versperrt uns den Weiterweg, zumindest vermeintlich, denn bei einer telefonische Rücksprache mit der angeschriebenen Nummer wird uns versichert, wir können uns gefahrlos Richtung Ricken weiter bewegen. Wir machen das, auch wenn uns bei dem immer wieder aufflammenden Schiesslärm nicht wirklich wohl ist. Das Wetter ist wie gestern neblig und nass – nichts von einer schönen Spätherbststimmung. Unten beim Schiessplatz Cholloch haben wir Mühe den Weg zu finden, weil wir eigentlich nicht die Asphaltstrasse bis unten nach Ricken nehmen wollen. In Ricken essen wir ein kräftiges Mittagessen und verabschieden Röbi, der hier aussteigt, um seinen Grossvaterpflichten nach zu kommen. Nach dem Essen steigen wir wieder auf bei noch ansprechendem Wetter – meistens geht es durch Wald und über Alpweiden und wie gestern immer wieder rauf und wieder runter. Wir merken erst spät, dass das Wetter ziemlich schnell schlechter wird und damit wachsen auch die Sorgenfalten von Willi, der sich Gedanken macht über das, was morgen sein wird. Das bessert sich natürlich erst recht nicht, als die ersten Graupelschauer vom Himmel kommen. Später fängt es an zu schneien und die Landschaft wird langsam weiss.

 

In gemächlichem Tempo nähern wir uns dem Tanzboden – was für ein Name für eine Hütte auf dieser Höhe – einmal angekommen haben wir Mühe, den richtigen Eingang zu finden. Dann aber werden wir von Patrizia, der Hüttenwartin freundlich empfangen – es hat nur noch einen Gast, der aber sein Bier austrinkt und sich aufmacht zu Tale zu gehen. Als wir uns die Jacken und Regenhosen ausziehen meldet sich Willi bei Patrizia betreffend der Unterkunft für heute Abend – diese weiss aber nichts von einer Reservation und nun wird Willi begreiflicherweise noch etwas nervöser, vor allem deshalb, weil ihm schon die morgige Fortsetzung der Tour auf dem Magen liegt. Aber erst wird das mit der Unterkunft geregelt und – dank einer bewundernswerten Unkompliziertheit von Patrizia bekommen wir ein vorgeheiztes Zimmer, ein Super Znacht und verbringen einen ausgesprochen unterhaltsamen Abend. Wir reden zuerst über das Wetter morgen, wobei die entsprechenden App’s sich nicht einig sind. Das Spektrum reicht von 10cm Neuschnee bei -8°C bis zu einem angenehm schönen Tag. Später verbessern wir die ganze Schweiz und natürlich den Rest der Welt auch noch.

Willi macht sich Sorgen wegen des Weges unter dem Speer durch bis zur Oberchäsere. Auch auf Anraten von Patrizia beschliessen wir den Morgen abzuwarten um je nach Situation allenfalls nach Ebnet Kappel abzusteigen. Dem Ort der nächsten Übernachtung Oberchäsere sagen wir schon mal ab. Dann aber schlafen wir trotz allem bestens bis zum Morgen. Draussen zeigt die aufgehende Sonne einen herrlichen Tag an mit einer 360°-Traumsicht ohne zusätzlichen Neuschnee. Nach einem guten Zmorgen reden wir Willi gut zu und nehmen dann den Weg Richtung Amden in Angriff, umkehren und absteigen könnten wir ja immer noch. Die tatsächlichen Verhältnisse sind dann eher unerwartet recht problemlos. Wir wandern durch eine herrliche zum Teil frisch angeschneite Landschaft und sehen das oft bizarre Nebeneinander von noch blühenden Blumen im frischen Schnee. Wir kommen oberhalb der Oberchäsere sogar noch kurz in Versuchung auf den Speer zu gehen (+ eine Stunde), entscheiden uns dann aber angesichts des langen Weges bis nach Amden dagegen. In der Hütte Oberchäsere picknicken wir zu Mittag und setzen unseren Weg hinter dem Mattstogg fort. Da wir zeitlich noch früh dran sind und sich die Gelegenheit bietet mit dem Sessellift bis nach Amden zu fahren geniessen wir etwas verfrüht den tägliche Ankunftskaffee mit Güügs bereits im Holzstübli noch weit oberhalb Amden.

 

In Amden logieren wir im Hotel Rössli, wohin auch das junge Paar vom ersten Tag zum Essen kommt. Beim Nachtessen beraten wir, angesichts des Schnee’s in der Höhe, die Tour abzukürzen und beschliessen dann nach Quinten nicht mehr über den See nach Murg, ins Murgtal und zum Murgsee zu wandern. Stattdessen wollen wir nach Walenstadt laufen und die Tour dort einen Tag früher beenden. Bis es aber soweit ist steigen wir erst mal zum Walensee ab nach Beltis nur um dann von 430 auf über 900müM wieder aufzusteigen – die sportliche Seite soll ja nicht zu kurz kommen. Dann geht es aber wieder steil runter nach Quinten, wo wir es uns wohl sein lassen, wir essen Fische vom Walensee und trinken einheimischen Wein und Grappa. Eigentlich gibt es ja im ganzen Quinten kein Hotel, aber Willi hat in einem Privathaus, mitten in den Weinbergen, eine Unterkunft gefunden – was für eine würdige Umgebung um diese Genusstour abzuschliessen. Gerne nehmen wir am nächsten Morgen den Weg von nicht einmal vier Stunden von Quinten nach Walenstadtberg in Angriff. Kurz vor dem Ende beflügelt einen sowieso die Leichtigkeit, auch wenn es noch mal zünftig ansteigt.

Vielen Dank an Willi, der einmal mehr diese Tour super organisiert hat, danke auch Röbi und Kurt – wir kommen wieder. Die Bilder dieses Beitrages stammen von allen Teilnehmern.