Shanghai

Shanghai

Seit August 2016 lebt unsere Tochter Iwana mit ihrer Familie in Shanghai, mit Bruno und unseren Grosskindern Amélie und Yonah. Da war es für uns selbstverständlich sie da während ihres zweijährigen Aufenthaltes zu besuchen.

Am letzten Tag des April 2017 landeten wir nach langem Flug via Singapur im Pudong Airport von Shanghai, wo wir nach Passkontrolle und Zoll unsere Lieben in die Arme schliessen konnten. Sie waren von ihrem Haus in 1 1/2 Stunden zum Flughafen gereist mit U-Bahn und der ultraschnellen Magnetbahn Maglev. Für die  einstündige Fahrt zurück wurde der Fahrer der Firma von Bruno organisiert, so kamen wir schon zum ersten Sightseeing Erlebnis dieser Riesenstadt. Eine 25 Mio Einwohnerstadt mit riesigen Ausmassen, mit über 50km von einem Ende zum anderen, eine Stadt mit einer bekannten Skyline am Fluss Huangpu Jiang, einem Nebenfluss des Yangtze. Sie ist ultramodern in den neuen Vierteln aber auch kleinräumig und eng in den kleinen Gassen der Altstadt, wo man beim durchlaufen so nahe am Leben der Bewohner teil hat, dass es für uns Europäer fast beklemmend ist. Wir sind 9 Tage hier und schlafen bei Iwana und ihrer Familie im Westen der Stadt im Compound Green Valley Villas. In diesen unzähligen Compounds wohnen viele der Ausländer, aber auch vermögende Chinesen, es sind Ansammlungen von einigen hundert Villen und Häusern, von hohen Mauern umgeben, bewacht von hunderten von Guards. Die unglaublichen Ausmasse und vor allem die Gegensätze dieser Stadt sind für uns faszinierend, so essen wir hervorragend für weniger als 10 Franken aber auch für mehr als 100 Franken (pro Person). Es git einen unglaublichen Reichtum einer dünnen sehr reichen Oberschicht, der gezeigt wird und die sehr beengten einfachen Verhältnisse der normalen Chinesen – die glitzernden Bürotürme des Pudong und nicht weit weg die Reihensiedlungen der Wanderarbeiter von denen ständig 9 Mio in Shanghai leben und den Wirtschaftsmotor am Laufen halten.

Wir saugen an diesen neun Tage auf nacheinander:

Die Hochhäuser des Pudong
Skyline Pudong
Skyline Pudong

Von wo wir wohnen fahren wir mit Iwana und den Grosskindern per Fahrrad zur nächsten Metrostation Shanghai Zoo von hier bringt uns die die Linie 10 direkt ins Zentrum. Es ist Montag 1. Mai, auch in China ein Feiertag mit entsprechend vielen Leute, die sich im Stadtzentrum drängeln. Wir strollen entlang der hohen Türme und versuchen auf den markanten Oriental Pearl Tower zu kommen, dafür müssten wir aber eine Stunde warten um mit dem Lift hoch fahren zu können. Für den Shanghai Tower, das zweithöchste Gebäude der Welt, bleibt eher wenig Zeit und so begnügen wir uns mit dem nur 492 m hohen Shanghai World Financial Center, im Volksmund auch der Flaschenöffner genannt wegen der markanten Öffnung zuoberst, ähnlich einem Kronenkorkenöffner. Der erste Lift bringt uns schon mal in den 94. Stock auf über 423m Höhe. Die Geschwindigkeit mit 9m/sec ist zwar eindrücklich aber kaum spürbar. Wir sind hier immer noch unter dem Boden der „Kronenkorken-Öffnung“. Schon hier erscheint alles auf dem „Erdboden“ – die Häuser und Strassen – unglaublich weit unter uns. Wir gehen mit einem weiteren Lift bis zum 97. Stock auf 439m. An den Seitenrändern ist der Boden aus Glas und man fühlt sich quasi senkrecht über den Strassen, dem Fluss und den normalen Häusern wähnt. Die Kinder haben Freude, obwohl sie uns glaubhaft versichern, dass das ja nichts sei im Vergleich zum Shanghai Tower, der noch mal 130 m höher ist. Man könnte hier zwar alle mögliche an Souvenirs kaufen, aber wir steigen doch wieder auf den sicheren Boden ab, treffen uns mit Bruno um in einem schicken Restaurant zu Essen.

Shanghai Museum
Shanghai Museum
Shanghai Museum

Es ist Dienstag und draussen regnet es. Nach dem Feiertag gestern ist heute für Bruno Arbeitstag und für unsere Grosskinder wieder Schulalltag, sie gehen entsprechend früh schon weg. Susy und ich gehen mit Iwana gehen ins Shanghai – Museum, eines der renommiertesten Museen für klassische chinesische Kunst und Kultur in ganz China. Es wurde 1996 am südlichen Ende des Volksplatzes in einem imposanten Gebäude neu eröffnet. Der Eintritt ist gratis und die weit über 100’000 Exponate sind faszinierend. China hat ja eine Geschichte von über 8’000 Jahren – als im Zweistromland die ersten Boten der westlichen Kultur entstanden, war China schon da, lange vor den Ägyptern, den Griechen usw. Es gäbe hier herausragende Sammlungen von Bronceskulpturen, von Steinskulpturen, Seidenmalereien, eine Kaligraphieausstellung usw. Das alles braucht aber gewaltig viel Zeit und so beschränken wir uns auf die Hallen mit Kleidern der vielen Volksstämme von China, die verzierten Möbel, die Jadegallerie, die aufwändig geschnitzte Gefässe,Schmuck und Ornamente aus dem 4. bis 2.Jahrtausen v.Chr. zeigt. Später noch die sehenswerte Keramikgallerie, wo das hohe Können der Chinesen mit Ton und Porzellan mit unglaublich filigran anmutenden Zeugnissen dieser Kunst ausgestellt ist.

Yu Garten und Altstadt – British International School
Yu Garten
Yu Garten

Heute sind Susy und ich am Morgen alleine, nach dem Rat von Iwana wollen wir in den Yu Garten, eine der grossen Attraktionen von Shanghai und in die Altstadt direkt hinter dem Bund am Ufer des Huangpu. Zum ersten Mal auf uns alleine gestellt, finden wir uns gut zurecht in der Metro und auch in der Stadt, nicht zuletzt auch mit Hilfe einer jungen Frau und eines älteren Herrn, die uns spontan ansprechen in Englisch um uns zu helfen. Bald bummeln wir durch die Konsumstrassen der Altstadt mit riesigen Schmuck-, Kleider und Souvenirläden. Immer wieder wollen uns auch geschäftstüchtige Strassenhädler Uhren, Schmuck und ähnliches andrehen. Wir kommen über die 9-Biegungen Brücke vorbei am Teehaus Huxin Ting zum Eingang des Gartens. Der Garten der Zufriedenheit aus der Zeit der Ming Dynastie (1559 – 1577) ist eine prachtvolle Gartenanlage, sie bietet viele lauschige Ecken zum relaxen und über 40 Gebäude zum bestaunen. Sie ist eine der berühmtesten Gartenanlagen in ganz China. Immer wieder gibt es auch Teiche mit Goldfischen und riesige Seerosen. Bekannt ist auch der der künstliche Felshügel  Da Jia Shan zuoberst mit dem Flussblickpavillon. Unzählige Bäume aller Art und Blumen bilden die Flora.

British International School
British International School

Nach unserer Rückkehr zu unserer Bleibe gehen wir mit Iwana am Abend zur Schule von Amélie und Yonah, der British International School. Wir müssen über 20km mit dem Taxi fahren um dahin zu gelangen. Es ist 17 Uhr und eigentlich gerade Schulschluss und über dreissig Schulbusse und unzählige PW’s mit Chauffeuren stehen bereit um die Schüler wieder nach Hause zu bringen. Es ist eine Schulanlage für mehr als 1000 SchülerInnen. Einige von Ihnen bleiben noch für Sportprogramme, so auch Yonah für Fussball und Basketball und Amélie für Fussball und Schwimmen.

 

Die geheimen Gassen der French Concession
French Concession
French Concession

Heute Donnerstag ist Iwana wieder mit uns. Sie hat bei einer Bekannten den Walk „die geheimen Gassen der French Consession“ gebucht. Wir treffen die Führerin und die anderen Teilnehmer in einem Starbucks. Die Guide ist eine Deutsche, die schon über 20 Jahre hier lebt. Die Concessions stammen aus den 1840er Jahren, als diese mit Waffengewalt erkämpft wurden. Es waren die einzigen Gebiete, von denen aus Handel mit China betrieben werden durfte. Es gab eine britische, eine amerikanische und eine französische Concession, auf denen in Kürze prachtvolle Gebäude errichtet wurden für den Handel und die Ausländer. Das ehemalige französische Viertel aus der Kolonialzeit liegt westlich der Altstadt. Prachtvolle alte Platanen spenden hier Schatten vor kolonialer Kulisse aus Apartmenthäusern im Art Deo Stil, prächtigen Villen mit Charme und lauschigen Parks. Unsere Führerin ist eine Kennerin des Viertels und beleuchtet die Details mit wertvollen geschichtlichen Hintergründen. So mussten bereits viele der charmanten alten Bauten monströsen Malls weichen, bis in den letzten Jahren Anstrengungen unternommen wurden diese schönen Blocks zu renovieren, in denen jetzt aber vermehrt Cafés und Boutiquen einziehen. Wohnungen hier sind locker so teuer, wenn nicht teurer als in Zürich an guter Lage.

Ausflug nach Suzhou mit dem Zug
Honqiao Railway Station
Honqiao Railway Station

Unser Aufenthalt in China beschränkt sich auf die kurze Zeit in Shanghai, um doch noch etwas vom Land ausserhalb dieser Stadt mit zu bekommen, fahren wir für einen Tag mit dem Zug nach Suzhou. Diese Stadt ist 88km westlich von Shanghai, hat ca 2 Mio Einwohner und ist bekannt für seine Gartenanlagen, die zum teil Weltkulturerbe der UNESCO sind. Suzhou wird beschrieben als eine der sehenswertesten Städte Chinas. Schon Marco Polo war hier und nannte die Stadt wegen der vielen Kanäle das Venedig des Ostens. Sie ist auch  auch die Seidenhauptstadt von China genannt. Ganz im Gegensatz zu Shanghai gibt es hier noch relativ wenige Hochhäuser, aber auch hier wird die „Zukunft“ im Eiltempo geplant, es schiessen Hochhäuser aus dem Boden und 2016 ist auch hier der erste 400m hohe Wolkenkratzer entstanden. Man fährt von Shanghai aus mit einem ultramodernen Zug in einer guten halben Stunde dahin und kann dabei auch teilhaben am hocheffizienten Zugsystem, das ganz China überzieht. Die Bahnhöfe sind riesig in Shanghai und Suzhou und zum Lösen der Tickets muss man den Pass vorweisen. Einmal im Zug nehmen wir auf modernen und sauberen Sitzen Platz und fahren dann bis 250km/h Richtung Westen, Suzhou liegt auf der Strecke von Shanghai nach Nanjing und pro Stunde fahren bis 4 Züge. Die Gartenanlagen haben illustre Namen, so gibt es den „Garten des einfachen Mannes“ und wir besuchen den „Garten des Meisters der Netze“. Obwohl viel kleiner als der Yu-Garten in Shanghai ist auch dieser sehr sehenswert. Wir bummeln noch durch die Altstadt mit einer riesigen Fussgängerzone mit Einkaufstempeln aller Art.

Einkaufen  und Nachtessen am Bund
Einkaufen am Markt
Einkaufen am Markt

Am Wochenende ist Einkaufen angesagt. Die Güter des täglichen Gebrauchs werden von den Europäern in bekannten Shopping-Centern gekauft, mit Iwana fahren wir z.B. in einen riesigen Carrefour (chinesisch Jialéful). Am Samstag nachmittag sind wir in einem Blumenmarkt bevor wir am frühen Abend mit der Metro in Richtung Bund fahren. So heisst das Gebiet der ehemaligen britischen und amerikanischen Concessions am Ufer des Huangpu. Es wurden für die Handelsaktivitäten repräsentative Hochhäuser für Hotels, Banken und Handelshäuser erstellt. Noch zur Zeit der japanischen Besetzung und des zweiten Weltkrieges blieben diese für diese Aufgaben in Betrieb. Mit der Übernahme der Macht durch Mao wurden diese Gebäude für andere Zwecke umgenutzt. Noch nach Mao blieb es gleich und erst viel später in den frühen 90er Jahren als Shanghai eine Sonderentwicklungszone wurde und sich „entwickeln“ durfte, begann die Stadt zu explodieren und es kehrte wieder Big Business in diese schönen Häuser zurück. Heute sind hier alle weltbekannten Markenfirmen vertreten, wie alle teuren und bekannten Schweizeruhren. Wir hatten vor dem Nachtessen noch etwas Zeit und sind in die Fussgängerzone mit den unglaublich schönen Shopping Malls getaucht. In einem Schmuckladen war ein Jade-Armreif ausgestellt für mehr als 750’000 Yuan (über CHF 100’000). Es herrschte ein unglaubliches Treiben  in den Strassen und Läden, das Ufer am Fluss ist ein Anziehungspunkt für Leute, die in Massen hierher strömen. Langsam wird es dunkler und die Leuchtreklamen an den Hochhäusern fangen an zu glitzern, die beste Zeit für Photos, aber es ist fast nicht möglich einen Platz am Geländer zu ergattern um eine Aufnahmen zu machen.

Wir essen im einem ziemlich teuren Restaurant zu Abend. Nach dem Abendessen wollen wir nochmals ans Flussufer aber jetzt hat es noch viel mehr Leute, so dass wir uns entschliessen per Metro zurück ins Haus zu fahren.

Am Sonntag fahren wir noch zu einem Markt um Gemüse und Fleisch einzukaufen. Wir ruhen uns heute aus, denn morgen geht die Reise weiter nach Hanoi. Weitere Bilder zu jedem Beitrag hier.

 

 

 

 

9 thoughts on “Shanghai

  1. Eben euren tollen Bericht gelesen und genossen! Vielen Dank für diese super Info.
    Ich wünsche euch weiterhin erlebnisreiche Tage auf eurer spannenden Reise.
    P.S. Ich habe meine OP gut überstanden und mich schon prima erholt.
    Alles Gute und liebe Grüsse
    Hildegard

  2. Herzlichen Dank für euren informativen Shanghai Bericht. Beim Lesen und betrachten der Fotos habe ich mich wieder an vieles erinnert, dass Men und ich in Shanghai gesehen und erlebt haben.
    Ich wünsche euch weiterhin eine gute Reise mit vielen Eindrücken und freue mich auf weitere Berichte aus dem fernen Osten.
    Hebet’s get und liebe Grüsse
    Renata

  3. Tolle Berichterstattung!
    Ich wünsche euch ganz tolle Tage mit euren Lieben und noch viele Eindrücke auf eurer Reise, die ich immer gern verfolge.
    Liebe Grüße Ramona

  4. Hey ihr zwöi!!! Super interessant euer bericht!! China ist und bleibt etwas ganz spezielles für uns europäer!! Freue mich auf eure weiteren berichte aus vietnam… das wir vor 3 jahren besucht hatten!! Lb grüessli vo üs 2!

  5. Vielen Dank für die ineressanten Infos.
    Wir sind heute zu einer kleineren Reise nach Südfrankreich gestartet.
    Wünsche Dir weiterhin eine gute und schöne Reise!

  6. liebe Susy, lieber Peter
    wir sind gerade aus dem Tessin zurückgekehrt, es war wunderschön.
    Ja, Ihr habt natürlich ganz andere Eindrücke, ich danke Dir Peter, dass wir an Eurer Reise teilhaben dürfen, es sind sehr schöne und eindrucksvolle Bilder.
    Nun wünschen wir Euch noch eine ganz schöne Weiterreise und hoffen auf weitere interessante Eindrücke.
    Ganz liebe Grüsse an alle
    Alice und Kurt

  7. lieber Peter, liebe Susi
    ich bin am Sonntag von einer Rundreise durch Frankreich zurück gekehrt, ich habe viel gesehen und erlebt.
    Vielen Dank für euren Bericht von China. Manchmal konnte ich einiges wieder auffrischen von meiner Chinareise. Ich war auch dort, habe aber vieles nicht gesehen. Geniesst China es ist sehr gross und hat viel schönes zu bieten. Ich denke oft daran.
    Viele liebe Grüsse allen von

  8. Lieber Peter
    Du schreibst echt spannend. Ich liebe diese Art von Reisebericht und denke, so bekomme ich doch einen lebendigen Eindruck von einer Stadt, die auch noch auf unserem Wunschzettel steht.
    Herzlichen Dank, Fredy

  9. Liebe Susi und lieber Peter
    Erst heute komme ich dazu, euer Schreiben so richtig zu geniessen. Der Bericht ist wahnsinnig spannend und weckt den Eindruck, dass es noch eine andere Welt gibt. Dabei sind wir doch in Zeiten der Globalisierung so nah zusammen gerückt! Wie auch immer – gegessen, geschoppt und gefahren wird offenbar auch viel im fernen Osten. Vor langer Zeit – im 1991 – bin ich ja auch mal in Shanghai rumgebummelt. Auch wenn so ziemlich alles anders geworden ist, habt ihr mir mit euren Schilderungen ein paar schöne Erinnerungen geweckt. Danke!!!
    Liebe Gruess und bis bald bim Buukriiide … Regula

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