Skitourenwoche Vinschgau Januar 2016

Skitourenwoche Vinschgau Januar 2016

Die Skitourenwoche fand im Vinschgau vom 24. Januar bis 30. Januar 2016 statt. Die Bilder im Beitrag stammen von allen Teilnehmern, zum grossen Teil von Hubert Wegmann, unserem Führer.

Aus Termingründen musste ich heuer für die Tourenwoche mit der Gruppe rund um meinen Bergfreund Willi absagen. Also machte ich mich auf die Suche nach Alternativen für Ende Januar oder anfangs Februar. Fündig wurde ich mit einem Angebot der Alpenschule Ortler: Genuss-Skitouren-Vinschgau. Recht schnell nach der Anmeldung kam auch bereits die Nachricht, dass sich genügend Teilnehmer angemeldet hätten und die Woche stattfinde. Das freute mich riesig, denn nirgends schienen die Schneeverhältnisse wirklich gut zu sein.

Aufstieg
Aufstieg
Unsere Gruppe
Unsere Gruppe

Auf der Fahrt mit Zug und Postauto nach Taufers im Münstertal via Chur und Unterengandin über den Ofenpass hielt ich des öfteren Ausschau, wo denn nun ausreichend Schnee sei um hier Skitouren zu machen. Am späten Sonntagabend finde ich mich im Vierstern-Hotel Lamm in Taufers im Münstertal ein, kaum einen Kilometer nach der Schweizergrenze. Im Hotelempfang treffe ich gleich den ersten Skitourenkollegen, Ralf aus Dansweiler. Seine Sorgen gehen in die gleiche Richtung, wo denn der Schnee bleibe. Nach und nach treffen die restlichen Teilnehmer der Gruppe ein, Kerstin und Dietmar aus Bremen und Bernd aus Lörrach. Vier Deutsche und ein Schweizer. Pünktlich um 18 Uhr treffen wir uns mit dem Südtiroler Bergführer Hubert Wegmann von der Alpenschule Ortler, unserem Anführer für die nächsten fünf Tage. Hubert macht uns auch gleich Mut, er finde schon die guten Touren trotz der prekären Schneelage und regelt die organisatorischen Belange wie Ausrüstungskontrolle und für das Fahren zu den Ausgangsorten. Für morgen gehen wir in die Schweiz für die erste Tour am Ofenpass.

Montag, 25. Januar Buffalora 1’970müM bis Munt Buffalora 2’640müM

Pünktlich um neun Uhr treffen wir uns auf dem Hotelparkplatz, die Steigfelle schon auf den Skiern, ich fahre mit Hubert im Auto und die anderen zusammen jeweils in einem der Ihren. Es geht über die Schweizergrenze und hoch Richtung Ofenpass, der ganz oben wirklich noch so etwas wie Winterzauber mit Schnee vermittelt. Es wird ein strahlend schöner Tag werden.

am Buffalora
am Buffalora
Föhrenwälder am Buffalora
Föhrenwälder am Buffalora

Ab dem Parkplatz beim Restaurant Buffalora geht es mit den Skiern los. Neben zwei Schneeschuhläufern sind wir alleine in dieser wunderschönen Schneelandschaft, so schön, dass sich Hubert schnell aufmacht Bilder von unserer Gruppe zu machen. Er sagt zu Kerstin, sie solle ganz laaangsam durch den Neuschnee vorauslaufen, langsam bedeutet allerdings bei Kerstin immer noch recht zügig und so hören wir heute und in den nächsten Tagen beim Fotografieren das laaangsamer von Hubert immer wieder. Wir steigen langsam höher, es wird wärmer und die Landschaft mit den schönen Föhren begleitet uns. Unten ist der Schnee noch schön leicht, je weiter wir hoch kommen um so mehr hat der Wind gewütet, der Schnee ist gepresst und viele Stellen sind aper geblasen. Auf einem Vorgipfel, wo wir kurz rasten gibt es überhaupt keinen Schnee mehr und wir machen uns schon Gedanken, wie wir ohne Kratzer im Belag wieder runter kommen würden. Auf dem Gipfel kommen dann doch noch zwei andere Skifahrer, aber ausser diesen zwei sind wir für heute alleine. Hubert weiss auch in der Abfahrt, die wirklich guten Wege zu finden und seine Losung für die Abfahrt ist: Knie nach vorne drücken und die Skis finden den Weg alleine. Zum Abschluss der Tour nehmen wir im Restaurant ein Bier an der Sonne im Freien – auf fast 2’000m und das im Januar!

Die Gegend am Ofenpass ist geschichtsträchtig,  es wurde hier schon im frühen Mittelalter Eisenerz abgebaut und verhüttet. Unten im Münstertal in Santa Maria ist ein Juwel: das Benediktinerinnen-Kloster St. Johann aus der Karolingerzeit. Es ist ein Weltkulturerbe der UNESCO mit weltberühmten Fresken und einer Statue von Karl dem Grossen. Wir halten auf dem Rückweg zum Hotel hier an und schauen uns das an, es ist so bitterkalt in der Kirche, so dass wir froh sind, wieder draussen zu sein. Schon der erste Tag ist viel besser geworden als erwartet. Im Hotel lassen wir uns vewöhnen.

Dienstag, 26. Januar Rojen 1’925müM bis Hintere Scharte 2’696müM

Heustadel Rojental
Heustadel Rojental

Es gibt erneut einen schönen sonnigen Tag und wir fahren mit dem Auto via Malls in Richtung Reschensee ins Rojental unweit des Reschenpass. Wir schnallen die Skis gleich unter dem Betriebsgebäude eines Liftes des Skigebietes Schöneben an. Lange geht es nur leicht ansteigend hinein ins Rojental, vorbei an geschützten Heustadeln. Es ist eine schöne weite Schneelandschaft, allerdings mit heftig abgeblasenen Graten an den Bergen. Das seit Tagen andauernde schöne und warme Wetter setzt dem Schnee weiter zu. Weiter oben steigt der Weg an in schönen Mulden zum Teil sogar mit Pulverschnee. Wir stapfen über einen kaum zugeschneiten Bach, der unter unseren Füssen rauscht, nach etwa einer weiteren Stunde zweigen wir von der Hauptspur, die weiter ins Rojental führt, nach rechts ab in Richtung der Hinteren Scharte, die Spuren geradeaus werden wir morgen verfolgen. So arbeiten wir uns höher und ich habe Mühe mit dem Tempo mit zu kommen, auch wenn es nicht schneller ist, als ich mich das sonst auch gewohnt bin. Ich knorze und beneide die anderen, die laufen und dazu noch munter reden können. Am Ziel angekommen kann ich dann sogar die Füsse auf heimatlichen Schweizerboden setzen. Es gibt eine Super Abfahrt zum Teil in schönem Pulverschnee. In Rojen geniessen wir das wohlverdiente Radler vor wir zurück zum Hotel fahren. Hier geniessen die meisten von uns Sauna, Schwimmbad vor wir uns um 19 Uhr zum Nachtessen treffen. Im Hotel Lamm verwöhnt man uns mit einem 4 Gang Menü und einer Auswahl an guten Weinen. Mittlerweile kennen wir uns schon ein wenig besser und so werden die Diskussionen jeden Abend intensiver.

Mittwoch, 26. Januar Rojen 1’925müM bis Grionkopf 2’899müM

Was für eine Stimmung
Was für eine Stimmung
Grionkopf 2'899müM
Grionkopf 2’899müM

Heute starten wir eine halbe Stunde früher als gewohnt nehmen erneut den gleichen Weg ins Rojental. Die ersten ein einhalb Stunden der gleiche Weg wie gestern. Dann gehen wir allerdings weiter in das Tal hinein in die Richtung, wo wir gestern die grössere Gruppe von Skifahrern beobachteten. Die Spur hier ist von Schneeschuhläufern heftigst zerstampft und oft ist es mühsam mit Skiern diese „Badwannenlöcher“ zu übersteigen, entsprechen sec ist der Kommentar von Hubert. Als wir zur Stelle gelangen, wo sich gestern die Gruppe lange aufhielt, sehen wir, dass sich vom Hang rechts ein kleines Schneebrett gelöst hatte, ob das gestern passiert war, wissen wir nicht. Wir überqueren den Lawinenkegel und halten uns dann eher rechts, wo die Lawine schon unten war, denn links droht ein ähnlicher Hang. Etwas weiter oben, wo der Hang richtig steil wird, lässt uns Hubert aus Vorsicht einzeln laufen. Was für ein schönes Bild von unten: zuoberst Hubert, je mit fünfzig Meter Abstand, schnell wie immer Kerstin, Bernd, Dietmar, dann keuche ich und als Schlussmann Ralf. Über dem eben erklommenen Hang ruhen wir uns an einer flachen Stelle etwas aus, als ganz plötzlich die Schneedecke spürbar und leicht hörbar mit einem Wumm etwa zehn Zentimeter absackt. Wir erschrecken und es erscheint uns unheimlich, aber es scheint nichts gefährliches zu sein. Auf jeden Fall gehen wir weiter – über den langen und steilen Gipfelaufschwung wiederum gestaffelt. Dieser zehrt zünftig an meinen Kräften bis sich endlich der Hang zurückneigt und das Gipfelkreuz des Grionkopfes in Sicht kommt.

Auch in der Abfahrt geht es, wieder in Einzelfahrt, erst mal die beiden Steilhänge hinunter, die von anderen Skifahrern und Schneeschuhläufern ziemlich verfahren und deshalb schwierig zu befahren sind. Weiter unten finden wir dann aber traumhafte Hänge mit Pulverschnee – echt eine grosse Lust hier zu fahren! Dann wieder die Fahrt aus dem Tal hinaus, vorbei an den Heustadeln mit Abenteuern, wie ein unerwartetes Loch und brüske Richtungsänderungen in mitten der Schussfahrt. Es war ein Supertag heute und so geniessen wir das Radler im Restaurant Rojen und später im Hotel die Sauna, das  Schwimmbad und eine angeregte Diskussion beim wiederum ausgezeichneten Abendessen.

Donnerstag, 27. Januar Langtaufertal 1’900müM bis ca 2’600müM unter dem oberen Mahdenkopf

Rast
Rast

Auf der Suche nach guten Tourenverhältnissen führt uns Hubert heute auf die gegenüberliegende Seite des Reschensees ins Langtaufertal, wo wir ab Melag entlang einer stillgelegten Gondelbahn zu Maseben hochlaufen. Unten am Parkplatz findet sich eine grosse Tafel mit Bild und Aufschrift Atlantis der Berge, was uns natürlich mit besonders hoher Erwartung erfüllt. Es geht auch sofort zünftig und steil los und der Puls schnellt gleich auf hundert Prozent, so sind wir froh, dass wir auf Maseben im Atlantis der Berge (das Berggasthaus), eine Rast mit Tee einlegen können. Hubert verrät uns, dass es morgen zum krönenden Abschluss der Woche auf die Suldenspitze gehe, das Wetter verspreche gut zu werden. Nach der Stärkung gehen wir entlang einem Skilift weiter hoch und wundern uns, dass hier im stillgelegten Skigebiet sogar die Pisten präpariert wurden. Der Schnee ist heute noch weniger als sonst, die Steine knirschen oft hörbar unter den Skis. 

Nach einer Rast will Hubert die Schneesicherheit des Weiterweges erkundigen und kommt dann zum Schluss, dass es besser sei, für heute die Übung abzubrechen, zu wenig Schnee und zu grosses Risiko unter den Hängen auf beiden Seiten. Noch einmal rasten wir im Atlantis der Berge – das antike Atlantis ist ja auch untergegangen – vielleicht ereilt diese Berghütte bald ein ähnliches Schicksal?

Freitag, 28. Januar Sulden Bergstation Schaubacher Hütte 2’590müM bis Suldenspitze 3’376müM 

Aufstieg zur Suldenspitze
Aufstieg zur Suldenspitze
Kerstin im Aufstieg zur Suldenspitze
Kerstin im Aufstieg zur Suldenspitze

Wir brechen heute wieder um halb neun Uhr auf, denn es geht zur krönenden Abschlusstour auf die Suldenspitze. Bei traumhaftem Wetter fahren zuerst nach Sulden, wo wir in einen wir in einen mondänen Skigebietsbetrieb mit allem was dazu gehört eintauchen können. So nehmen auch wir die 120-Personen-Godelbahn, mit der wir inmitten von Pistenfahrern mühelos bis auf fast 2’600müM befördert werden. Auf der Bergstation angekommen, sehen wir unser Ziel und weiter vorne noch andere Gruppen von Tourenfahrern mit dem gleichen Ziel. Wir sind auf der heutigen Tour auf dem Gletscher mit Spalten unterwegs und legen deswegen Klettergürtel an. Es geht auf fast 3’400müM und eines ist sicher, hier hat es bestimmt nicht zu wenig Schnee. Wie gewohnt, startet die Tour friedlich leicht ansteigend und wir schliessen bald zu der vor uns gestarteten Gruppe auf, die mit Markus, einem anderen Führer der Alpinschule Ortler unterwegs sind. Sie halten an und bereiten sich vor für die erste Steilstufe. Kerstin kennt Markus von früher. Nun geht es schnell zünftig zur Sache – Spitzkehren – Hang rechts – Spitzkehren – Hang links – keuchen – und so weiter wenige hundert Höhenmeter, bis sich der Hang zum ersten Mal zurückneigt. Wir legen die Harscheisen an und ich ärgere mich, dass ich das nicht vorher geübt habe. Es geht nicht so einfach und Hubert hilft mir, er macht das ohne Handschuhe während ich in meinen Handschuhen an die Hände friere. Für die nächste Steilstufe geht die andere Gruppe, die ohne Harscheisen unterwegs sind, voraus. Am abschüssigen Hang schaufelt deshalb der Führer Markus für seine Gruppe eine Spur in den hartgepressten Schnee, das verlangsamt das Tempo und ich bin sehr froh darüber.

Langsam arbeiten wir uns zwischen Gletscherspalten hoch und kommen erstmals heute an die Sonne, was für eine wohlige Wärme nach diesem Eisschrank weiter unten. Wir gelangen auf einen Grat zwischen Königsspitze und Suldenspitze und können eine herrliche Rundsicht mit den vielen Bergen geniessen, allen voran die Berge der Ortlergruppe, die zum Greifen nahe scheinen. Ich schleppe mich die letzten Meter hoch bis zu Gipfel und bin echt geschafft, aber sehr zufrieden.

Panorama auf 3'400m
Panorama auf 3’400m

Nun liegen 1’500m Abfahrt bis nach Sulden vor uns. Es ist nicht immer ganz einfach, denn oben ist der Schnee windgepresst und zünftig verweht. Aber von der Bergstation bis nach Sulden fahren wir auf der Skipiste. In Sulden nehmen wir das heutige Bier in einer Après-Ski-Hütte, wo es schon jetzt heftig hoch zu und her geht.

Hubert zeigt uns auf dem Rückweg zum Hotel noch sein Einfamilienhaus in Prad, das im Bau und fast fertig ist. Er will im Frühsommer hier einziehen, viel Glück

Zum Abschluss der Tourenwoche isst heute auch Hubert mit uns zu Abend. Der Wein und das Essen schmecken nach der heutigen Super-Tour besonders gut. Die ganze Woche war SUPER, dank der umsichtigen Auswahl der Touren durch Hubert konnten wir trotz zum Teil widerlichen Schneeverhältnissen gute Touren machen. Hubert zeigt uns die Bilder, die er immer wieder gemacht hat und überreicht jedem von uns die Daten der Bilder auf einem Stick. Wir hatten eine gute Kameradschaft in unserer Gruppe, ich denke gerne an Euch zurück und die Erfahrung mit der Alpenschule Ortler werde ich gerne wiederholen.

Danke Hubert und vielen Dank an Kerstin, Dietmar, Ralf und Bernd.

4 thoughts on “Skitourenwoche Vinschgau Januar 2016

  1. Lieber Peter,
    du hast einen wunderbaren Bericht verfasst und herrliche Bilder ausgesucht – die die schönen Skitouren in einer angenehmen Gruppe bei wenig Schnee und strahlendem Sonnenschein perfekt wiedergeben. Danke!
    Leider fehlen uns in Norddeutschland Berge und Schnee, so dass uns vorerst die Erinnerungen bleiben sowie die Vorfreude auf künftige Touren – sommers oder winters immer wieder gern.
    Moin, moin
    Kerstin

  2. Lieber Peter, ich bin begeistert ! Das hast Du wunderbar gemacht (Text, Bilder). Ich habe mich sehr wohl in der Gruppe gefühlt und denke gern an die schönen Tage im Vinschgau zurück. Du hast die Meßlatte für Dich sehr hoch angesetzt, echt unnötig. Andererseits konnte man gar nicht erkennen, wie langsam ich die Berge runtergetrullert kam – habe trotzdem mein bestes gegeben…
    Vielleicht bis zur nächsten Skitour. Vielen lieben Dank und beste Grüße aus dem verregneten Norddeutschland von Dietmar.

  3. Hallo Peter,
    ich gratuliere Dir zu Deiner Website. Deine Reiseberichte machen Lust auf mehr.
    Gefühlt ist unsere gemeinsame Tour schon ewig her. Dennoch erinnere ich mir gerne an die Touren im Vinschgau.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude bei Deinen nächsten Touren.
    Viele Grüße aus dem Rheinland
    Ralf

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