Giro d’Italia

Giro d’Italia

 

Italien umrundet
Italien umrundet

Zwischen April 1992 und Oktober 1999 haben Susy und ich mit dem Velo das Festland von Italien umrundet. Als Startpunkt haben wir Triest gewählt und sind in 5 Etappen bis nach Genua gefahren. Den Teil von Genua bis Ventimiglia an der Grenze zu Frankreich liessen wir aus, da es da enorm viel Autoverkehr gibt und keine velotauglichen Strassen gibt.

Erschwerend kam hinzu, dass kurz Beendigung der ersten Etappe die folgende Hiobsbotschaft zu erfahren war: die Ferrovie del Stato beschlossen, ab sofort keine Fahrräder mehr zu transportieren. Das war natürlich ein herber Rückschlag, nach der Möglichkeit des problemlosen Velotransportes als unbegleitetes Reisegepäck. Aufgegeben haben wir nicht und es hat sich immer ein Weg gefunden zu reisen, auch mit dem Velo . Für das nebenstehende Bild wurde eine Landkarte photographiert, wir hatten es für einen Diavortrag ertellt (das waren noch Zeiten). Alle Bilder sind digitalisierte Dias.

12. – 18. April 1992 von Triest bis Rimini 

Fakten: ca 420 km, Übernachtung ausschliesslich im Zelt

Nach einem kurzen Ausflug in die berühmten Cafés von Triest folgt die Strecke am schmalen Küstenabschnitt entlang des nordöstlichsten Teils der Adria bis Monfalcone.

Peter beim KochenDann öffnet sich die Landschaft gegen Westen in die berühmte Lagunenlandschaft bis nach Venedig. Hier haben wir gezeltet und gefaulenzt. Die berühmten Badeorte mit den verführerisch klingenden Name, wie Ligniano Sabbiadoro, waren im April noch Wüsten und so fuhren halt einfach vorbei, so auch am Lido di Iesolo und nahmen Punta Sabbioni eine Fähre, die uns auf den Inselstreifen Lido di Venezia brachte. So haben wir dann auch Venedig, das wir natürlich von früheren Besuchen kannten vom Meer her betrachtet.  

Peter beim Kochen


Weiter ging die Reise mit einer weiteren Fähre nach der schönen Stadt Chioggia, wo wir ds erste Mal mit den rauen italienischen Strassenverhhältnissen Bekanntschaft machten. Die dreckigen Brummer haben uns derart Angst gemacht, dass wir schleunigst velotaugliche Nebenstrassen suchten und diese auch fanden. Die Reise ging über den Nationalpark des Podelta nach Comachio – Lido di Spina nach Ravenna. In Ravenna mussten wir erstaunt feststellen, wie viele Italienerinnen und Italiener sich mit dem Velo in der Stadt bewegen und wie problemlos das in den Fussgängerzonen mit den Fussgängern funktioniert.

 

15. bis 28. April 1995 von Rimini bis Manfredonia

Fakten: ca 470 km, Übernachtung im Zelt und im Hotel auf den Tremiti Inseln

Nach dem erwähnten Problem mit dem Verschicken der Velos hat uns der Mut beinahe verlassen und wir wagten uns  erst drei Jahre später wieder auf die Reise. Dabei hatte Susy zum ersten Mal auf einer längeren Tour ihr neues Supertourenvelo Papalagi. Den Weg hatten wir uns wie folgt ausgedacht: Bis nach Mailand kommt man von der Schweiz problemlos mit Schweizerzügen auch mit dem Velo und in Italien hatten die italienischen Eisenbahnen inzwischen grosszügigerweise in den Regionalzüge den Velotransport wieder erlaubt. Wie wir allerdings von so weit unten im Stiefel wieder heimkommen sollten, wussten wir überhaupt nicht. Nach Milano kamen wir nach einer langen Zugsfahrt durch die ganze Poebene, mit den unendlich vielen „villagios“ gut in Rimini an und zelteten in der Nähe von Cattolica, wo es am anderen Morgen saukalt war und fast geschneit hatte, also legten wir einen Ruhetag ein und fuhren mit dem Bus nach San Marino, wo es dann tatsächlich Schnee hatte. Das Watter für die Fortsetzung war zwar schön, aber kalt.

bewachter Hoteleingang
bewachter Hoteleingang

Über die Strecke entlang den Abruzzen bis nach Pescara lässt sich wenig sagen: Viele verlassene Feriensiedlungen, in den grösseren Städten mit den klingenden Namen, wie San Benedeto del Tronto oder Giulianova etwas mehr Leben. Das Wetter war gut und auch die Wärme kehrte zurück. In Termoli entschlossen wir uns an einem Sonntag relativ spontan, die Fähre zu den sehr einsamen Isole Tremiti zu nehmen, von den 4 Inseln ist eigentlich nur die Hauptinsel San Domino wirklich bewohnt. Das Velo konnten wir auf der Insel nicht wirklich brauchen, das ist auch nicht nötig, ist diese doch nur etwa 1,8km lang und recht gebirgig. Im Hotel San Domino bewachten zwei ungemein tüchtige Wachhunde den Eingang

Als wir am Abend eine Fischsuppe bestellten, brachte uns die Kellnerin zwei Ganz-Körper-Schosse zum überziehen, mit langen Ärmeln. Die Suppe war köstlich, wie meistens das Essen, das wir in den unzähligen Restaurants rund um den italienischen Stiefel genossen haben.

Velo im Zug
Velo im Zug

Von den Tremiti Inseln nahmen wir die Fähre nach Vieste auf dem Gargano, das wir schon von früher her kannten.

Von Vieste fuhren wir nach Manfredonia. Hier machten wir Beratung, wie wir unseren Weg zurück organiseren sollten. Da Foggia in der Nähe war, fuhren wir dahin. Noch am Abend, ging ich auf die Stazione und fragte nach einer Möglichkeit nach Rom, Bologna oder Mailand zu kommen, natürlich mit den Velos. Bei aller Liebe für die italienischen Beamten, muss ich sagen, dass diese nicht mit Hilfsbereitschaft glänzten. Eine Frau aus der Kolonne, die sich hinter mir bildete, sprach mich an, und sagte mir, wir sollten doch mit dem Bus gehen.

Molto grazie … es funktionierte: mit dem Bus nach Neapel – mit dem Zug nach Rom und von Rom mit dem Schweizerzug zurück.

28. 9. bis 11. 10. 1996 von Manfradonia bis nach Reggio die Calabria

Fakten: ca 1313 km, Übernachtung hauptsächlich im Zelt manchmal im Hotel

vino bianco
vino bianco
trulli
trulli

Die Anreise zum Ausgangspunkt Manfredonia gestalteten wir genau gleich, wie die Rückkehr von da nach hause. Das ging zügig und bald radelten wir zwischen den vollbehangnenen Traubenstöcke von Apulien gegen Süden. Das Ziel in dieser Etappe konnte eigentlich nur Taranto oder Reggio di Calabria sein, von wo aus wir uns mit den Velos Chancen ausrechneten, eine Verbindung gegen Norden zu ergattern. Aber erst mal ging es nach Bari, das entgegen der gängigen Meinung eine wirklich schöne Stadt ist. Dann vorbei an den berühmten Weil es so flott lief, sind wir am Anfang flott weggefahren, was ich dann büssen musste mit heftigen Knieschmerzen. Gott sei Dank spürte ich sie dann am nächsten Tage nicht mehr.

Immer wieder kommen wir mit den Einheimischen ins Gespräch, die vor allem wissen wollen, warum ums Himmels Willen wir den mit dem Velo so weit fahren wollen. Aber im Vergleich zu dem Paar aus Holland, das wir auf dieser Etappe antrafen und die von Holland bis in die Türkei fahren wollen, ist unser Vorhaben ja einfach. Die Weiterfahrt geht über Brindisi, an der Küste an Lecce vorbei nach Otranto, wo wir uns nach dem regnerischen Tag ins Hotel la Plancia einquartieren. Die Strecke zwischen Ortranto und Capo di Leuca ist traumhaft schön, ganz anders im Vergleich die Strecke von Capo di Leuca bis fast nach Gallipoli, wo es hauptsächlich hässliche geschlossene Feriensiedlungen gibt. Gallipoli kennen wir von früher als wir in einem Agriturismo mit unseren Kindern auch mit dem Velo in den Ferienweilten. Nun folgen die langen Etappen: Gallipoli – Taranto = 117 km oder Taranto – Montegiordano = 118km und die längste mit 130km von Crotone bis della Valle.

ein neuer Pneu
ein neuer Pneu

Natürlich werden wir von einem kräftigen Mitwind unterstützt. Ein schönes Erlebnis hatten wir mit einem Autofahrer, der sicher ein hohes Tier bei der Ndragheta sein könnte. Nach dem Überholen hielt er an mit seinem schwarzen Mercedes 600 an und verwickelte uns in ein Gepräch über woher, wohin usw und am Schluss öffnete er den Kofferraum und schenkte uns eine Fasche Wein. Mit einem neuen Pneu, den ich in einer uralten Velowerkstatt kaufen konnte haben wir den Weg Richtung Reggio fortgesetzt. Es ist ärmlich hier, z.B. als ich in der Post zum Geldholen anstehen muss, kommen viele mittelalterliche Frauen und holen irgend eine Rente ab, von wenigen Tausend Lire, weniger als ich abheben kann für unser Reisegeld.

Für unsere Rückreise buchen wir in Crotone einen Flug von Reggio di Calabria nach Rom, von wo aus wir wieder mit dem Zug in die Schweiz zurückkehren können. In Reggio bleiben wir bis zum Abflug einen Tag und besuchen im Museum die Bronci di Riacce , die Velos sind während des Museumsbesuches an das Geländer vor dem Gebäude gekettet 

26. 9. bis 10. 10. 1997 von Reggio die Calabria nach Roma

Fakten: ca 953 km, Übernachtung hauptsächlich im Zelt manchmal im Hotel

nach Süden oder Norden
nach Süden oder Norden

Am 26. September fliegen wir mit unseren Fahrrädern von Zürich über Mailand nach Reggio. Das geht ohne Probleme, wir kommen um Mitternacht in Reggio an und fahren ins Hotel Diana, wo wir für eine Nacht gebucht haben, es ist ein schrecklicher Kasten und wir sind froh, am nächsten Tag unsere Reise am oberen Teil des Stiefelschuhes fortsetzen zu können. So ungefähr haben wir jetzt 65% der Umrundung des Festlandes von Italien hinter uns. Es wartet eine grosse Etappe auf uns, das Ziel ist Rom, von wo aus wir gut mit dem Zug nach Hause reisen können. Nach Gioia Tour gehen die Hauptstrassen und der Zug ins Innere des Landes und wir haben bis zum Golf von Eufemia gute Vetoverhältnisse, ich erwähne dies vor allem, weil wir nachher für 4 Tage auf der Hauptstrasse fahren. Die Fahrt an der Küste im Norden Kalabriens ist weiter nördlich etwas mühsam – immer wieder liegen Orte am Meer, aber zwischen den Orten gilt es meistens einige hundert Meter den Berg hinauf zu fahren, aber dann geht es rasend wieder hinunter.

Gut wird es wieder nach Maratea, als wir wieder fast bis nach Neapel über meist kleine Küstenstrassen rollen können. Die Gegend hier ist Süditalien pur, herrliche Landschaften, schöne Dörfer, Dreck in den Strassen und meist super Essen.

Wir kommen auf dieser Etappe an ganz wunderschönen und geschichtsträchtigen Orten mit fantastischen Baudenkmälern vorbei – Paestum  –  Amalfiküste  –  Isola di Capri  –  Pompei  –  Neapel usw.

In zwei Tagen fahren wir von Pozzuoli bei Neapel nach Ostia bei Rom, unserem Etappenziel.

1.10. bis 14. 10. 1999 von Roma nach Genua

Rom
Rom

Fakten: 734km, Übernachtung hauptsächlich im Zelt und im Hotel 

Zwei Jahre später sind wir wieder in Rom, hier erwartet uns unsere Tochter Caroline, die hier in Italien am Trampen ist. Nach einem gemeinsamen Essen fahren wir nordwärts. Zuerst suchen wir uns den Inland durch eine wunderschöne Gegend. Aus Rom heraus zu finden ist nicht ganz leicht und die Signalisation doch eher für lokale Autofahrer gemacht. Also fragen wir einen freundlichen Italiener, der uns hilft. Aber trotz allem müssen wir 2 mal etwa 10km zurück fahren, aber es geht vorwärts vorbei am Lago Bracciano wieder an die Küste nach Civitta Vecchia. Noch vor wir die Toscana erreichen, die wir von früheren Reisen und Ferien mit unseren Kindern sehr gut kennen, essen wir eines unserer feinsten Essen in Tarquinia und dann schlafen wir auch gleich dort, weil es so schön ist und sowieso keine Campingplatz hat.

Am nächsten Tag peilen wir den Giardino dei Tarocchi an, einen Park, der mit Figuren von Nikki de St. Phalle ausgestattet ist. Es ist gigantisch die Farben und die Phantasie, die in dieses Projekt gesteckt wurde, etwas erinnert dieser Park an den Marco Güell in Barcelona von Gaudi. Es verwundert auch nicht, wenn oft Nikki de St. Halle, Antoni Gaudi und Friedensreich Hundertwasser im gleichen Kontext erwähnt werden.

Einige Bilder der Kreationen:

Wir umrunden die Halbinsel Monte Argentario, die nur mit drei schmalen Sandlagunen mit dem Festland verbunden ist. Wir zelten hier zum ersten Mal wild in der Nähe von Porto Santo Stefano (was die doch für klingende Namen haben diese Italiener).

Pisa
Pisa
Giro d'Italia_35
Carrara Marmor

Durch die Maremma gelangen wir nach Castiglione della Pescaia, wo wir früher Zeltferien mit unseren Kindern verbracht haben. Wir legen hier einen Ruhetag ein und lassen die Seele baumeln und der Tagebucheintrag endet folgendermassen: .. der Abend endet mit gutem Essen, Weisswein, Grappa und…

Langsam wird es belebter, genauer betrachtet bedeutet das vor allem, der Autoverkehr wird intensiver und das Leben der Leute hektischer. Nördlich von Livorno kommen wir nach Pisa, wo wir natürlich den Schiffen Turm ablichten, ansonsten aber nicht lange bleiben.

Jetzt kommen die grossen Feriendestinationen des ligurischen Meeres vorbei z.B. Viareggio. Der Verkehr wird enorm dicht und Ort reiht sich an Ort. Zumindest hat es neben der Autobahn und der Hauptstrasse noch eine Küstenstrasse als wir an Carrara und Massa vorbeifahren. Von hier hatte ja schon Michelangelo den Marmor für seine grossartigen Werke. Aber es wird langsam weniger gemütlich zum Velofahren. In La Spezial beschliessen wir den Zug durch die Cinque Terre zu nehmen. Dann aber sind wir wieder auf dem Velo und fahren via Porto Fino nach Genua. Hier beschliessen wir am 13. Oktober 1999 unsere Italienumrundung zu beenden. Denn das Reststück bis Ventimiglia wäre in etwa gleich verkehrsreich. So haben wir nach fast 4’000km die restlichen ca 160km ausgelassen.

Es war ein super Projekt und es erfüllt uns mit Stolz dieses gemeistert zu haben