Genussskitouren im Vinschgau Januar 2017

Schon früh im November, als bei uns Schnee bis in die Täler lag, habe ich mich bei der Alpinschule Ortler für die Genussskitouren im Vinschgau Anfang Januar angemeldet. Ich kannte diese Woche vom letzten Jahr auch mit der Alpinschule, es hatte mir auch damals sehr gut gefallen. Nach Rückfrage bei den Teilnehmer von damals hat Bernd aus Lörrach spontan zugesagt, heuer wieder zu kommen. Weiter sagte auf meine Empfehlung auch mein Bergfreund Robert aus Dietikon zu, so kannte ich schon vor Beginn zwei Teilnehmer. In der Folge aber verschwand der früh gefallene Schnee wieder und der wärmste November seit je hat auch die letzten Resten davon bis in höchste Höhen schmelzen lassen. Noch schlimmer – es schneite auch während des ganzen Dezembers nicht wieder. So war denn ich bass erstaunt, als Ende Dezember die Nachricht kam, die Tourenwoche finde statt und unser Bergführer heisse Kurt Ortler, ja genau wie der Berg. Die Message war: Kurt wäre rekognoszieren gegangen und es seien Schneefälle angesagt und wir müssten dann halt höher oben in die Touren einsteigen – ok, lassen wir uns mal überraschen.

Kurt in seinem Element
Kurt in seinem Element 
Schneesituation Taufers
Schneesituation Taufers

Vom Zeitpunkt dieser Benachrichtigung an schaute ich mir öfters wieder Wetterberichte und Webcams vom Vinschgau an, aber ausser Kunstschnee in Skigebieten war wenig bis kein Schnee ausmachen. Die Spannung wuchs, was das wohl werden soll. Wenige Tage vor Beginn schneite es aber tatsächlich bei uns im Norden ganz anständig, jedoch kaum im Süden, wo es das für unser Vorhaben eigentlich tun sollte. Für die Hinreise nahm uns Bernd Röbi und mich ab Landquart mit dem Auto mit, es war winterlich hier, vorsorglicherweise hatte Bernd Schneeketten eingepackt für die Strecke über den Ofenpass, ja – es war winterlich im Prättigau und im Unterengadin, aber je weiter wir dann vom Ofenpass hinunter ins Münstertal und ins Vinschgau fuhren, umso spärlicher wurde der Schnee, Schneeketten brauchten wir keine zu montieren. In Taufers im Münstertal, wo unsere Basis, das Hotel Lamm ist, hatte es gar keinen Schnee mehr, zumindest war das Wetter gut.

Nach dem Einchecken trafen sich die Teilnehmer mit Kurt im Hotel, dabei war auch Hubert Wegmann, der Leiter der Alpinschule der die gleiche Tourenwoche vom letzten Jahr leitete. Da waren zwei Christine’s und Thilo aus München und später kamen noch Catherine und Max aus Wien dazu – also waren wir eine staatliche Gruppe von 8 Teilnehmern. Die zwei Bergführer verteilten Ausrüstungsgegenstände und versuchten unseren Fragen wegen des fehlenden Schnees so gut es ging auszuweichen und sie verströmten die Zuversicht, dass sie dann schon gute Berge für Touren finden würden und wir wurden aufgeboten für den Montag um 9 Uhr bereit zu sein. 

 Unsere Touren

Wir brachen zur besagten Zeit mit drei Autos auf und fuhren zurück in die Schweiz über den Ofenpass um vom Restaurant Buffalora 1’968müM auf den Munt Buffalora 2’627müM zu steigen. Es war bestes Wetter an diesem Montag mit viel Sonnenschein. Schnee hatte es hier unten noch wenig, dafür blankes Eis, das vom Wasser eines Bachs herrührte und mangels Schneefall nicht überschneit war. Wir turnten mit den Fellen darüber hinweg und etwas höher hatte es tatsächlich wenig mehr Schnee. Der Wind hatte in den letzten Wochen das wenige an Schnee in die Mulden geblasen, wo sich immer wieder schöne Pulverschneeansammlungen fanden. 

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Im Aufstieg auf den Buffalora geht man durch eine prächtige Landschaft mit lichten Arvenwälder vorbei an Alphütten. Im Mittelalter wurde in dieser Gegend Eisenerz abgebaut und verhüttet, deswegen auch der Name Ofenpass. Die Verhüttung brauchte aber dermassen viel Holz in dieser hochalpinen Gegend, dass der Abbau bald wieder eingestellt werden musste. Der Ofenpass ist auch eine Wasserscheide zwischen Inn und Etsch, der eine fliesst ins schwarze Meer, die andere in die Adria.

 

Auch mit zunehmender Höhe beim Aufstieg blieb die Schneehöhe mehr oder minder gleich. Kurt zeigte uns, wie man fachgerecht Spitzkehren macht, er schien ein guter geduldiger Lehrer. Wir arbeiteten uns höher und es wurde auch klarer, dass wir hier durchaus auch gut abfahren können. Damit stieg die Laune mit zunehmender Meereshöhe.

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Es zeigte sich dann auch – es gab eine Super Abfahrt. Kurt filmte während aller unsere Touren unsere Kunststücke und unsere Nöte jeweils beim Abstieg und in der Abfahrt. Sein ganzer Film ist zu gross für diese Website, also habe ich aus seinem Material drei kurze Sequenzen zusammengeschnitten, wobei klar sein soll, dass ich von Filmen keine grosse Ahnung habe und das Ganze wohl etwas amateurhaft wirkt.

Am späteren Nachmittag, zurück im Hotel, grenzt es ja schon fast Luxusurlaub, sich nach der Tagestour im Hotel Lamm in deren fantastischen Wellnessbereich zu erholen. Später dann beim Apéro lernten wir einander besser kennen und es kamen intensivere Gespräche auf und in einigen Diskussionen versuchten wir die Welt zu verbessern – zumindest ein wenig  – so machen Skitourenwochen Freude.

Am Dienstag-Morgen gings zur Tour ins Roiental, ein Seitental zur Passstrasse in der Nähe zum Reschenpass, vorbei am Reschensee mit dem berühmten Kirchturm, der aus dem Wasser des Stausees ragt. Auch hier lag nur wenig Schnee und wir stapften rein ins Tal in Richtung Mittlere Scharte. Bernd und ich kannten auch diese die Tour vom vergangenen Jahr, damals als es zwar auch wenig Schnee hatte, aber immer noch einiges mehr als heuer. Während unseres Aufstieges im oberen Teil hörten wir im schattigen Osthang immer wieder Wumm-Geräusche und Kurt suchte den besten Weg durch die Hänge, liess uns des öfteren einzeln mit einem Abstand von 15m nachkommen, bis er letztlich nach etwa 2 Stunden Aufstieg zum Entschluss kam: „meine Erfahrung sagt mir, wir sollten hier nicht weiter gehen“. Wir standen im Schatten, es war empfindlich kalt und ich war froh und wahrscheinlich einige andere auch, dass wir umkehren konnten.

Weiter unten bei den Heustadeln auf 1’800müM machten wir in der Sonne halt für eine Ausbildung über das Verhalten bei Lawinenniedergängen. Kurt erklärt uns die Funktionen und die Anwendung der LVS, zeigt uns wo und wie man in einem Lawinenkegel sondieren soll und letztlich auch noch die Handhabung der Lawinenschaufeln. Er hat eine sehr gute Art die Sachen zu erklären. Es wurde uns schnell klar, dass er aus einem immensen Erfahrungsschatz zehrt, wenn er uns diese Zusammenhänge lehrt. Es kommt auch zum Vorschein, dass er in den Bergen auf der ganzen Welt als Experte war und gefragt ist – Chapeau!

Hier eine Sequenz aus Kurt’s Filmmaterial mit dem Titel Aufstiege:

 

auf dem Heimweg zurück ins Hotel kehren wir auf der Reschenpassstrasse in einem Kaffee ein. Beim kleinen Imbiss macht uns Kurt schmackhaft, morgen in grössere Höhen zu gehen, um mehr Schnee und bessere Schneeverhältnisse vorzufinden, er schlägt die Suldenspitze mit knapp 3’400müM vor.

Dazu fährt man von Sulden mit der Seilbahn auf 2’600müM, wo sich auch die Schaubbachütte befindet. Als wir am Mittwoch morgen bei schönem Wetter aus der Seilbahnstation ins Freie kommen, leuchtet geradeaus vor uns wir das Tagesziel die Suldenspitze. Auf den Graten schien die Sonne und ein kräftiger Wind zu blies, der Schneefahnen über die sonnenbeschienen Spitzen wehte. Wir sahen auch, dass wir fast den ganzen Aufstieg im Schatten machen müssen und es herrschte bittere Kälte. Trotzdem war die Entscheidung hierher zu kommen richtig – wir stapften durch Pulverschnee so zwischen 10 und 20cm lagen im untern Teil des Aufstieges. 

Über die Gletscher
Über die Gletscher
Suldenspitze
Suldenspitze

Dieser ist zu Beginn noch relativ gemächlich, später wurde es immer steiler und ich hatte mit dem Mitkommen Mühe und ich war froh, dass Kurt mich hinter sich laufen liess, so konnte ich dem Trott gehen, den ich zu gehen vermag. Wir stiegen langsam höher steigen, der Pulverschnee wurde weniger war zwar noch nicht überall weg, aber doch gab es immer mehr blanke Stellen auf dem Gletscher. Wir montierten die Harscheisen an unsere Skis. Bei dieser Gelegenheit merkte Catherine, dass ihre Felle nicht mehr kleben. Alles Abkratzen oder Aufwärmen um sie noch irgendwie zu befestigen zu können scheiterten. Aber an ein Hochkommen ohne Felle war an diesem Berg an diesem Tag gar nicht zu denken – so ein Pech. Also ging sie zurück und wartete unten. Kurt riet ihr am Abend zu einem Sportshop in Müstair zu gehen, die einen Spray für solche Fälle haben. Wir stiegen höher und schon glitzerte die Sonne oben am Gipfelgrat während wir hier unten im Eiskasten erbärmlich froren. Ich war mehr und mehr erschöpft, meine Lunge machte mir zu schaffen und wollte hier warten. Gott sei Dank überredete mich Kurt einfach langsamer am Schluss zu laufen und nach zu kommen. Das machte ich dann gerne – es wäre ja wirklich jammerschade gewesen so kurz unter dem Gipfel schlapp zu machen. Während die anderen immer mehr auf dem Grat die Sonne erreichten, arbeite ich mich gemächlich hoch. Trotz diesen Mühen, auch ich erreichte den Grat, die Sonne und den Gipfel der Suldenspitze auf 3’375müM – danke an alle.

Diese Abfahrt ist (zumindest bis zur Piste) super. Zuoberst im blanken Firn war Max wohl etwas forsch und produzierte prompt einen kapitalen Sturz, glücklicherweise ohne Folgen. Der Rest war Genuss pur – für diese und die anderen Abfahrten ein Zusammenschnitt aus den Bildern von Kurt:

 

Im unteren Teil der Abfahrtspiste hatte es so wenig Schnee, dass wir die Ski zeitweise tragen mussten. In Sulden tauchten wir ein in den Trubel der Pistenskifahrer und frönten natürlich auch dem Après-Ski, allerdings nicht in der SkiAlm, diese liessen wir beiseite und gingen in ein ruhigeres Lokal. 

Nach den guten Erfahrungen mit der Suldenspitze gingen wir auch am Donnerstag wieder nach Sulden, liessen uns erneut mit der Bahn hoch transportieren, allerdings nur bis zur Mittelstation. Von wo aus wir eine halbe Stunde die Ski Abfahrtspiste hoch stapften um dann nach rechts in die Richtung des Ortlers einzubiegen. Es ging locker zwischen Geröllhalden und Felsbrocken durch und wir fragten uns, wo wir da wohl wieder nach unten kommen würden. Unser Vertrauen in Kurt war aber in diesen Tagen so gewachsen, dass wir ihm locker vertrauten. Es herrschte immer noch schönes Wetter an diesem Tag, aber für später am Tag und morgen waren die Prognosen schlechter, auch Schneefall wurde vorausgesagt. Also galt es die Gunst dieses Tages noch zu nutzen. Langsam wurde die Sicht schlechter, als Röbi und ich beschlossen nicht mehr weiter zu gehen. Wir warteten auf dem Gletscher auf die Rückkehr der anderen. Wir warteten und warteten immer länger und dachten, so weit konnten die doch gar nicht gegangen sein. Tatsache war, dass wir ihre Abfahrt verpasst hatten, als wir von weiter unten Rufe hörten – und dank Mobiltelefon von Bernd fanden wir wieder zusammen, obschon die Gruppe schon ziemlich weit abgefahren war. Die restliche Abfahrt war leidlich und ab der Mittelstation nahmen wir diesmal die Seilbahn nach Sulden.

Wie immer nach der Rückkehr genossen auch an diesem Tag einige von uns zuerst die Wellness Anlage des Hotels vor es zur mittlerweile eingespielten Zeit um halb sieben zum Apéro ging. Hier ging es bei einem guten Glas Wein (4-4-8) und bei ausgiebigen Diskussionen über den vergangenen Tag vergessen, dass die Schneeverhältnisse nicht so super waren. Und auch an diesem Tag wieder ein feines Nachtessen.

Freitag war eigentlich unser letzter aktiver Tag und am morgen schneite es draussen und für eine ernsthafte Tour war das Wetter zu schlecht. Aber genau richtig, um an diesem Tag einen Ausbidungstag zu machen. Dazu bestiegen das ganze Team das Schweizer Postauto in Richtung Ofenpass – durch die äusserst engen Dorfdurchfahrten des Münstertales bis nach Tschierv. Kurt lehrte uns Spitzkehren, zeigte uns, was Schneeprofile sind, zeigte uns wie die wir die Steilheit eines Hanges mit den Skistöcken bestimmen können und so viel wichtiges mehr. Es schneite ein wenig, aber nicht wirklich ausgiebig für bessere Tourenverhältnisse. Im Dorf  war alles vorbereitet für eine Schweizer Langlaufmeisterschaft am nächsten Tag.

An diesem Abend nach dem Nachtessen zeigte uns Kurt seinen zusammengeschnittenen Film unserer Abenteuer der letzten Tage. Es machte Spass Kurt zuzuhören, wie er mit seinem trockenen Humor von einigen seiner Bergabenteuer erzählte – dieser Mann ist wirklich ein grosser Alpinist und ein toller Charakter.

Diese Ferien machten mir trotz der wenig guten Schneeverhältnissen Lust auf mehr Abenteuer der gleichen Sorte. Ich denke ich komme wieder. Danke Kurt – danke an alle. Übrigens ein Tip: Beim Abschied verriet mir Herr Steiner, der Hotelier, es sei eine alte Bauernregel im Vinschgau, dass wenn es im Oktober einschneie, gebe es keinen Schnee mehr bis im Februar. Das war offensichtlich in den letzten 2 Jahren so, aber gar nicht typisch für das Vinschgau. Ich solle ihn doch nächstes Jahr Anfang November anrufen zu fragen ob es schon geschneit habe, wenn nein, dann sei es problemlos sich für früh im Jahr anzumelden.

Skitourenwoche Vinschgau Januar 2016

Skitourenwoche Vinschgau Januar 2016

Die Skitourenwoche fand im Vinschgau vom 24. Januar bis 30. Januar 2016 statt. Die Bilder im Beitrag stammen von allen Teilnehmern, zum grossen Teil von Hubert Wegmann, unserem Führer.

Aus Termingründen musste ich heuer für die Tourenwoche mit der Gruppe rund um meinen Bergfreund Willi absagen. Also machte ich mich auf die Suche nach Alternativen für Ende Januar oder anfangs Februar. Fündig wurde ich mit einem Angebot der Alpenschule Ortler: Genuss-Skitouren-Vinschgau. Recht schnell nach der Anmeldung kam auch bereits die Nachricht, dass sich genügend Teilnehmer angemeldet hätten und die Woche stattfinde. Das freute mich riesig, denn nirgends schienen die Schneeverhältnisse wirklich gut zu sein.

Aufstieg
Aufstieg
Unsere Gruppe
Unsere Gruppe

Auf der Fahrt mit Zug und Postauto nach Taufers im Münstertal via Chur und Unterengandin über den Ofenpass hielt ich des öfteren Ausschau, wo denn nun ausreichend Schnee sei um hier Skitouren zu machen. Am späten Sonntagabend finde ich mich im Vierstern-Hotel Lamm in Taufers im Münstertal ein, kaum einen Kilometer nach der Schweizergrenze. Im Hotelempfang treffe ich gleich den ersten Skitourenkollegen, Ralf aus Dansweiler. Seine Sorgen gehen in die gleiche Richtung, wo denn der Schnee bleibe. Nach und nach treffen die restlichen Teilnehmer der Gruppe ein, Kerstin und Dietmar aus Bremen und Bernd aus Lörrach. Vier Deutsche und ein Schweizer. Pünktlich um 18 Uhr treffen wir uns mit dem Südtiroler Bergführer Hubert Wegmann von der Alpenschule Ortler, unserem Anführer für die nächsten fünf Tage. Hubert macht uns auch gleich Mut, er finde schon die guten Touren trotz der prekären Schneelage und regelt die organisatorischen Belange wie Ausrüstungskontrolle und für das Fahren zu den Ausgangsorten. Für morgen gehen wir in die Schweiz für die erste Tour am Ofenpass.

Montag, 25. Januar Buffalora 1’970müM bis Munt Buffalora 2’640müM

Pünktlich um neun Uhr treffen wir uns auf dem Hotelparkplatz, die Steigfelle schon auf den Skiern, ich fahre mit Hubert im Auto und die anderen zusammen jeweils in einem der Ihren. Es geht über die Schweizergrenze und hoch Richtung Ofenpass, der ganz oben wirklich noch so etwas wie Winterzauber mit Schnee vermittelt. Es wird ein strahlend schöner Tag werden.

am Buffalora
am Buffalora
Föhrenwälder am Buffalora
Föhrenwälder am Buffalora

Ab dem Parkplatz beim Restaurant Buffalora geht es mit den Skiern los. Neben zwei Schneeschuhläufern sind wir alleine in dieser wunderschönen Schneelandschaft, so schön, dass sich Hubert schnell aufmacht Bilder von unserer Gruppe zu machen. Er sagt zu Kerstin, sie solle ganz laaangsam durch den Neuschnee vorauslaufen, langsam bedeutet allerdings bei Kerstin immer noch recht zügig und so hören wir heute und in den nächsten Tagen beim Fotografieren das laaangsamer von Hubert immer wieder. Wir steigen langsam höher, es wird wärmer und die Landschaft mit den schönen Föhren begleitet uns. Unten ist der Schnee noch schön leicht, je weiter wir hoch kommen um so mehr hat der Wind gewütet, der Schnee ist gepresst und viele Stellen sind aper geblasen. Auf einem Vorgipfel, wo wir kurz rasten gibt es überhaupt keinen Schnee mehr und wir machen uns schon Gedanken, wie wir ohne Kratzer im Belag wieder runter kommen würden. Auf dem Gipfel kommen dann doch noch zwei andere Skifahrer, aber ausser diesen zwei sind wir für heute alleine. Hubert weiss auch in der Abfahrt, die wirklich guten Wege zu finden und seine Losung für die Abfahrt ist: Knie nach vorne drücken und die Skis finden den Weg alleine. Zum Abschluss der Tour nehmen wir im Restaurant ein Bier an der Sonne im Freien – auf fast 2’000m und das im Januar!

Die Gegend am Ofenpass ist geschichtsträchtig,  es wurde hier schon im frühen Mittelalter Eisenerz abgebaut und verhüttet. Unten im Münstertal in Santa Maria ist ein Juwel: das Benediktinerinnen-Kloster St. Johann aus der Karolingerzeit. Es ist ein Weltkulturerbe der UNESCO mit weltberühmten Fresken und einer Statue von Karl dem Grossen. Wir halten auf dem Rückweg zum Hotel hier an und schauen uns das an, es ist so bitterkalt in der Kirche, so dass wir froh sind, wieder draussen zu sein. Schon der erste Tag ist viel besser geworden als erwartet. Im Hotel lassen wir uns vewöhnen.

Dienstag, 26. Januar Rojen 1’925müM bis Hintere Scharte 2’696müM

Heustadel Rojental
Heustadel Rojental

Es gibt erneut einen schönen sonnigen Tag und wir fahren mit dem Auto via Malls in Richtung Reschensee ins Rojental unweit des Reschenpass. Wir schnallen die Skis gleich unter dem Betriebsgebäude eines Liftes des Skigebietes Schöneben an. Lange geht es nur leicht ansteigend hinein ins Rojental, vorbei an geschützten Heustadeln. Es ist eine schöne weite Schneelandschaft, allerdings mit heftig abgeblasenen Graten an den Bergen. Das seit Tagen andauernde schöne und warme Wetter setzt dem Schnee weiter zu. Weiter oben steigt der Weg an in schönen Mulden zum Teil sogar mit Pulverschnee. Wir stapfen über einen kaum zugeschneiten Bach, der unter unseren Füssen rauscht, nach etwa einer weiteren Stunde zweigen wir von der Hauptspur, die weiter ins Rojental führt, nach rechts ab in Richtung der Hinteren Scharte, die Spuren geradeaus werden wir morgen verfolgen. So arbeiten wir uns höher und ich habe Mühe mit dem Tempo mit zu kommen, auch wenn es nicht schneller ist, als ich mich das sonst auch gewohnt bin. Ich knorze und beneide die anderen, die laufen und dazu noch munter reden können. Am Ziel angekommen kann ich dann sogar die Füsse auf heimatlichen Schweizerboden setzen. Es gibt eine Super Abfahrt zum Teil in schönem Pulverschnee. In Rojen geniessen wir das wohlverdiente Radler vor wir zurück zum Hotel fahren. Hier geniessen die meisten von uns Sauna, Schwimmbad vor wir uns um 19 Uhr zum Nachtessen treffen. Im Hotel Lamm verwöhnt man uns mit einem 4 Gang Menü und einer Auswahl an guten Weinen. Mittlerweile kennen wir uns schon ein wenig besser und so werden die Diskussionen jeden Abend intensiver.

Mittwoch, 26. Januar Rojen 1’925müM bis Grionkopf 2’899müM

Was für eine Stimmung
Was für eine Stimmung
Grionkopf 2'899müM
Grionkopf 2’899müM

Heute starten wir eine halbe Stunde früher als gewohnt nehmen erneut den gleichen Weg ins Rojental. Die ersten ein einhalb Stunden der gleiche Weg wie gestern. Dann gehen wir allerdings weiter in das Tal hinein in die Richtung, wo wir gestern die grössere Gruppe von Skifahrern beobachteten. Die Spur hier ist von Schneeschuhläufern heftigst zerstampft und oft ist es mühsam mit Skiern diese „Badwannenlöcher“ zu übersteigen, entsprechen sec ist der Kommentar von Hubert. Als wir zur Stelle gelangen, wo sich gestern die Gruppe lange aufhielt, sehen wir, dass sich vom Hang rechts ein kleines Schneebrett gelöst hatte, ob das gestern passiert war, wissen wir nicht. Wir überqueren den Lawinenkegel und halten uns dann eher rechts, wo die Lawine schon unten war, denn links droht ein ähnlicher Hang. Etwas weiter oben, wo der Hang richtig steil wird, lässt uns Hubert aus Vorsicht einzeln laufen. Was für ein schönes Bild von unten: zuoberst Hubert, je mit fünfzig Meter Abstand, schnell wie immer Kerstin, Bernd, Dietmar, dann keuche ich und als Schlussmann Ralf. Über dem eben erklommenen Hang ruhen wir uns an einer flachen Stelle etwas aus, als ganz plötzlich die Schneedecke spürbar und leicht hörbar mit einem Wumm etwa zehn Zentimeter absackt. Wir erschrecken und es erscheint uns unheimlich, aber es scheint nichts gefährliches zu sein. Auf jeden Fall gehen wir weiter – über den langen und steilen Gipfelaufschwung wiederum gestaffelt. Dieser zehrt zünftig an meinen Kräften bis sich endlich der Hang zurückneigt und das Gipfelkreuz des Grionkopfes in Sicht kommt.

Auch in der Abfahrt geht es, wieder in Einzelfahrt, erst mal die beiden Steilhänge hinunter, die von anderen Skifahrern und Schneeschuhläufern ziemlich verfahren und deshalb schwierig zu befahren sind. Weiter unten finden wir dann aber traumhafte Hänge mit Pulverschnee – echt eine grosse Lust hier zu fahren! Dann wieder die Fahrt aus dem Tal hinaus, vorbei an den Heustadeln mit Abenteuern, wie ein unerwartetes Loch und brüske Richtungsänderungen in mitten der Schussfahrt. Es war ein Supertag heute und so geniessen wir das Radler im Restaurant Rojen und später im Hotel die Sauna, das  Schwimmbad und eine angeregte Diskussion beim wiederum ausgezeichneten Abendessen.

Donnerstag, 27. Januar Langtaufertal 1’900müM bis ca 2’600müM unter dem oberen Mahdenkopf

Rast
Rast

Auf der Suche nach guten Tourenverhältnissen führt uns Hubert heute auf die gegenüberliegende Seite des Reschensees ins Langtaufertal, wo wir ab Melag entlang einer stillgelegten Gondelbahn zu Maseben hochlaufen. Unten am Parkplatz findet sich eine grosse Tafel mit Bild und Aufschrift Atlantis der Berge, was uns natürlich mit besonders hoher Erwartung erfüllt. Es geht auch sofort zünftig und steil los und der Puls schnellt gleich auf hundert Prozent, so sind wir froh, dass wir auf Maseben im Atlantis der Berge (das Berggasthaus), eine Rast mit Tee einlegen können. Hubert verrät uns, dass es morgen zum krönenden Abschluss der Woche auf die Suldenspitze gehe, das Wetter verspreche gut zu werden. Nach der Stärkung gehen wir entlang einem Skilift weiter hoch und wundern uns, dass hier im stillgelegten Skigebiet sogar die Pisten präpariert wurden. Der Schnee ist heute noch weniger als sonst, die Steine knirschen oft hörbar unter den Skis. 

Nach einer Rast will Hubert die Schneesicherheit des Weiterweges erkundigen und kommt dann zum Schluss, dass es besser sei, für heute die Übung abzubrechen, zu wenig Schnee und zu grosses Risiko unter den Hängen auf beiden Seiten. Noch einmal rasten wir im Atlantis der Berge – das antike Atlantis ist ja auch untergegangen – vielleicht ereilt diese Berghütte bald ein ähnliches Schicksal?

Freitag, 28. Januar Sulden Bergstation Schaubacher Hütte 2’590müM bis Suldenspitze 3’376müM 

Aufstieg zur Suldenspitze
Aufstieg zur Suldenspitze
Kerstin im Aufstieg zur Suldenspitze
Kerstin im Aufstieg zur Suldenspitze

Wir brechen heute wieder um halb neun Uhr auf, denn es geht zur krönenden Abschlusstour auf die Suldenspitze. Bei traumhaftem Wetter fahren zuerst nach Sulden, wo wir in einen wir in einen mondänen Skigebietsbetrieb mit allem was dazu gehört eintauchen können. So nehmen auch wir die 120-Personen-Godelbahn, mit der wir inmitten von Pistenfahrern mühelos bis auf fast 2’600müM befördert werden. Auf der Bergstation angekommen, sehen wir unser Ziel und weiter vorne noch andere Gruppen von Tourenfahrern mit dem gleichen Ziel. Wir sind auf der heutigen Tour auf dem Gletscher mit Spalten unterwegs und legen deswegen Klettergürtel an. Es geht auf fast 3’400müM und eines ist sicher, hier hat es bestimmt nicht zu wenig Schnee. Wie gewohnt, startet die Tour friedlich leicht ansteigend und wir schliessen bald zu der vor uns gestarteten Gruppe auf, die mit Markus, einem anderen Führer der Alpinschule Ortler unterwegs sind. Sie halten an und bereiten sich vor für die erste Steilstufe. Kerstin kennt Markus von früher. Nun geht es schnell zünftig zur Sache – Spitzkehren – Hang rechts – Spitzkehren – Hang links – keuchen – und so weiter wenige hundert Höhenmeter, bis sich der Hang zum ersten Mal zurückneigt. Wir legen die Harscheisen an und ich ärgere mich, dass ich das nicht vorher geübt habe. Es geht nicht so einfach und Hubert hilft mir, er macht das ohne Handschuhe während ich in meinen Handschuhen an die Hände friere. Für die nächste Steilstufe geht die andere Gruppe, die ohne Harscheisen unterwegs sind, voraus. Am abschüssigen Hang schaufelt deshalb der Führer Markus für seine Gruppe eine Spur in den hartgepressten Schnee, das verlangsamt das Tempo und ich bin sehr froh darüber.

Langsam arbeiten wir uns zwischen Gletscherspalten hoch und kommen erstmals heute an die Sonne, was für eine wohlige Wärme nach diesem Eisschrank weiter unten. Wir gelangen auf einen Grat zwischen Königsspitze und Suldenspitze und können eine herrliche Rundsicht mit den vielen Bergen geniessen, allen voran die Berge der Ortlergruppe, die zum Greifen nahe scheinen. Ich schleppe mich die letzten Meter hoch bis zu Gipfel und bin echt geschafft, aber sehr zufrieden.

Panorama auf 3'400m
Panorama auf 3’400m

Nun liegen 1’500m Abfahrt bis nach Sulden vor uns. Es ist nicht immer ganz einfach, denn oben ist der Schnee windgepresst und zünftig verweht. Aber von der Bergstation bis nach Sulden fahren wir auf der Skipiste. In Sulden nehmen wir das heutige Bier in einer Après-Ski-Hütte, wo es schon jetzt heftig hoch zu und her geht.

Hubert zeigt uns auf dem Rückweg zum Hotel noch sein Einfamilienhaus in Prad, das im Bau und fast fertig ist. Er will im Frühsommer hier einziehen, viel Glück

Zum Abschluss der Tourenwoche isst heute auch Hubert mit uns zu Abend. Der Wein und das Essen schmecken nach der heutigen Super-Tour besonders gut. Die ganze Woche war SUPER, dank der umsichtigen Auswahl der Touren durch Hubert konnten wir trotz zum Teil widerlichen Schneeverhältnissen gute Touren machen. Hubert zeigt uns die Bilder, die er immer wieder gemacht hat und überreicht jedem von uns die Daten der Bilder auf einem Stick. Wir hatten eine gute Kameradschaft in unserer Gruppe, ich denke gerne an Euch zurück und die Erfahrung mit der Alpenschule Ortler werde ich gerne wiederholen.

Danke Hubert und vielen Dank an Kerstin, Dietmar, Ralf und Bernd.