• Hohgant vom Harder Grat
    Allgemein,  Wandern-Trekking

    Von Sörenberg nach Harder Kulm

    Hohgant vom Hardergrat aus

    Seit 10 Jahren gehen wir jeweils im Spätsommer auf eine anspruchsvolle Höhenwanderung. 2012 haben Willi und ich damit begnnen, schon bald Röbi und Kurt dazu, alle aus der Maschinenbauklasse des ATZ (1968 bis 1973). Nach einigen schönen Wanderungen mit allen vier Kollegen, fängt dieser Kreis an sich zu verkleinern, Röbi kommt nicht mehr mit. Schlimmer, in diesem Jahr zeichnete sich früh ab, dass auch Willi wegen seiner Hüftprobleme nicht dabei sein kann. Im August musste er sich einer Hüftgelenk-Operation unterziehen, ausgerechnet in der Zeit der Wanderung – also liegt er im Spital 🏥 – sehr schade! Doch er versichert glaubhaft, dass er lieber mit uns zum Wandern gekommen wäre. Seit letztem Jahr ist Jürg Keller dabei, auch er  Maschineningenieur, zwar nicht vom ATZ, aber auch aus dem Zürcher Unterland, womit er sehr gut ins Team passt.
    Von der letztjährigen 4-tägigen Wanderung im Berner Oberland, von Kurt mit seinen guten Kennntnissen der  Gegend organisiert,  gab es keinen Bericht, 😦 shame. Für heuer habe ich mir vorgenommen, es wieder besser zu machen. Die Bilder im folgenden Bericht stammen von allen Dreien, um diese gross zu betrachten darauf klicken.

    Von Sörenberg nach Kemmeribodenbad/Bumbach

    Nach dem verregneten Frühsommer zeichnet sich für die von uns geplante Woche nach Mitte August trockenes Wetter ab. Am 18. hole ich Jürg und Kurt kurz vor neun am Bahnhof in Luzern ab und es geht weiter mit dem Zug nach Schüpfheim ins  Entlebuch. Das Postauto nach Sörenberg ist voll von pensionierten Wanderern und wir fragen uns, ob die wohl alle die gleiche Wanderroute .., aber was solls – das Wetter ist gut und die Sonne scheint, also lassen wir uns die Laune nicht verderben. Kaum mit dem eigentlichen Wandern gestartet, sind wir innert küzester Zeit alleine, also waren die Sorgen vor der grossen Wander-Meute eher voreilig. Wir tauchen in die schöne Hochmoor-Landschaft ein. Was wir jetzt noch nicht wisssen ist, dass wir während der ganzen 4 Tage in einer der grössten zusammenhängenden Moorlandschaften der Schweiz unterwegs sind, im Naturschutzgebiet Hohgant Seefeld. Im Schatten des Waldes steigen wir bei angenehmen Temperaturen langsam höher und dann in Richtung des bekannten Ausflugszieles Salwideli. En GuätäWeil es gegen Mittag geht, kehren wir da ein, wobei es fast schwierig ist drausssen einen Platz zu bekommen.
    Nach der Stärkung steigen wir nach einem kurzen Abstieg steil auf in Richtung des linken Endes der Schrattenfluh mit Schiibegütsch und vogelagert dem Böli. Das Wetter wird jetzt ein bisschen wild, mal Sonne mal Wolken, doch angenehm zum Laufen. Nach einer Rast auf ca 1800m beschliessen wir, nicht weiter auf-, sondern abzusteigen. Wir befinden uns hier im Gebiet der  Wasserscheide zwischen kleiner Emme und Emme, der letzteren folgen wir nun. Weiter unten zweigen wir links ab und folgen dem jungen Flusses im Kanton Bern bis zum Kemmeribodenbad, die mit den weltberühmten Meringues. Entsprechend hat es viele Leute und auch wir kehren ein, aber ohne Meringues, denn es ist ja schon bald 6 Uhr. Das Postauto bringt uns zum Gasthof in Alpenrose Bumbach ein Ortsteil von Schangnau, wo wir nächtigen. Wir werden freundlichst empfangen und bewundern die Trophäen, welche dieser Gasthof 2018 als Erster in der Sendung Mini Beiz Dini Beiz des Schweizer Fernsehens eingeheimst hat. Sowas lässt für das heutige Znacht einiges erhoffen. Nach dem Duschen speisen wir denn auch vorzüglich und verbringen einen gemütlichen Abend, schauen uns die Tour des morgigen Tages an. Wir lachen viel, verbessern die Welt und spielen wie so oft Yatzi und schlafen anschliessend bestens.

     

    Details zu ersten Tag: Karte Distanz: 14 km; Wanderzeit total: 6.5 Stunden Aufstieg total: 870m; Abstieg total 1020m

     

    Von Bumbach nach Innereriz

    Wir verlassen das gastliche Hotel Alpenrose kurz vor neun. Mittlerweile sind wir im Kanton Bern, wo Kurt seine Wurzeln hat und hier wo „unser“ Beat Feuz das Skifahren gelernt hat. Jürg ist ganz gigerig auch den Skilift kennenzulernen, an dem dieser wohl seine ersten Versuche gemacht hat. Mal sehen, vielleicht springt es dann tatsächlich auch auf Jürg über. Es ist heute trüb und der Hohgant hüllt sich in Nebel, aber zumindest bleibt es den ganzen Tag trocken. Nach 5 Minuten, kurz nach der Dorfschule zweigen wir links ab und sehen gleich, dass es die ersten 1 1/2 Stunden in sich haben, mit einem Blick sehen wir, dass es sehr steil aufwärts geht. Pilzsammler, die wir ansprechen, beklagen sich, dass es heuer gar wenig zu ernten gibt. Mal im Wald, mal auf Alpweiden geht es unaufhörlich steil nach oben und irgendwann sehen wir ihn dann, den Skilift Beat Feuz, wo wir auch die Höhe erreicht haben. Nicht dass deshalb alle Aufstiege schon geschafft wären, denn es geht mehr oder weniger den ganzen Tag auf- und abwärts und es bleibt weiterhin trüb und am Boden nass. Wir sehen hier zum ersten Mal die Tafel mit dem Zeichen für das Naturschutzgebiet Hohgant Seefeld. 80 km² moorige Stellen, aber auch Karrenfelder mit vereinzelten Föhren.

    Beim Wandern hat es immer wieder feuchte Teilgebiete, was häufig ein aufwändiges Zirkeln auf den verbleibenden trockenen Teilstücken erfordert. Wenn auch noch die Kühe die gleichen Wege nutzen, verändert sich dieser in einen einzigen Morast mit kleinen Seelein.

    Wenn wir nicht gerade Steilstufen erklimmen, finden wir viel Zeit für angeregte Diskussionen, kein Wunder bei den vielen brennenden Themen, die sich bei uns und auf der ganzen Welt sich laufend ablösen. Natürlich sind wir uns nicht immer ganz einig, aber Streit haben wir deswegen nicht.

    Es durchqueren riesige Alpweiden, wenn wir nicht gerade in einem Waldstück unterwegs sind. Da sind wir immer wieder daran, Kühe vom Wanderweg zu verscheuchen, die sich oft furchtbar dumm anstellen. Es ist auch nicht etwa so, dass diese alle den Simmentaler- oder Schweizer Braunviehrassen angehören. Die Artenvielfalt ist in den letzten 10 Jahren viel grösser geworden, es gibt schottische Hochlandrinder mit langen Hörnern und ganz kleine Schwarze – oft auch Lamas und andere exotische Viecher und von Zeit zu Zeit Schweine, die frei laufen. Was uns heute und auf den späteren Etappen auffällt, sind die prächtigen Blumen in den Alpweiden, auch noch in dieser späten Jahreszeit.

    Innereriz und überhaupt das Eriztal kannte ich vor dieser Wanderung nicht. Wir sehen dieses Etappenziel heute erst spät, und die letzte halbe Stunde hat für uns noch einen zünftigen Abstieg bis hinunter ins Dorf bereit. Bei den ersten Häusern fragen wir einen Einheimischen nach dem Gasthof Schneehas (ja der heisst wirklich so). Er deutet auf die andere Talseite, wo ein architektonisch schlecht komponierter Gebäudekomplex am Rand eines Feldes steht, in dem es auch einen Skilift hat. Schon vorher kommen wir am kleinen Laden/Kiosk vorbei. Da wir noch Proviant für den morgigen Tag brauchen, gehen wir rein und sind erstaunt über die unglaubliche Fülle, die der kleine Laden an Bio, Nachhaltigem und Lokalem zu verkaufen hat. Wir leisten uns eine Kaffeeglacé, selbstverständlich vom lokalen Hersteller und kommen so mit dem Inhaber ins Gespräch. Nach dem üblichen woher und wohin informiert er uns über die letzten Neuigkeiten im Tal. Dieses heisst zur unserer Verwirrung nicht nur Eriztal sondern auch Zulgtal und ins ziemlich weit weg von allem. Am nahesten liegt noch Steffisburg. Wir kommen zum Schluss, dass die Leute, die noch hier bleiben, das aus Überzeugung tun.

    Zum Nachtessen im nahen Schneehas lassen wir uns alle auf das Abenteuer Pastetli ein, ein Abenteuer insofern, weil wir hungrig sind und deshalb je zwei davon bestellen. Das kreiert eine ziemliche Aufregung an der Theke und wir merken, was los ist – nämlich dass die Pastetli zuerst noch beim Bäcker geholt werden müssen. Alle unsere Interventionen, wir könnten ja auch etwas anderes bestellen, helfen nichts, wir bekommen die je zwei Pastetli. Wir sind dann so voll, dass es am Schluss des Abends noch einen Grappa braucht, um unsere Magen zu beruhigen.

     

    Details zu zweiten Tag: Karte, Distanz: 10.4 km; Wanderzeit total: 5.5 Stunden Aufstieg total: 670m; Abstieg total 558m

     

    Von Innereriz nach Habkern

    Anders als gestern ist das Wetter heute schön und bereits als wir aus dem Gasthaus treten, scheint für uns die Sonne. Unsere Route führt als erstes auf den Grüenebergpass. Gemütlich gehen wir diese 500 Höhenmeter an, fast immer auf einer Zufahrtsstrasse zu den hiesigen Alpen. Schon bald überholen wir zwei Wanderinnen, aber sonst ist es ruhig und ausser zwei Älplerinnen und wenigen MountainbikerInnen treffen wir keine Leute. Auf dem Pass, nach etwa zwei Stunden rasten wir an der Sonne und essen etwas. Es tut gut, dass das Wetter heute so mitspielt. Die zwei Frauen überholen jetzt uns wieder und wir scherzen über dieses und jenes, sie überzeugen uns auch, statt dem direkten Weg über die gleiche holperige Fahrstrasse runter nach Habkern zu gelangen, über Seefeld zu laufen. Es ist ein wirklich guter Rat, es öffnet sich eine spektakulär schöne  Landschaft im Kleinen, in die wir hier eintauchen. Ein Hochmoor mit vereinzelten knorrigen Bäumen, Seelein, Wiesen, wo wir immer wieder auf Holzstegen laufen müssen, die über moorige Stellen geschlagen sind. Grossflächige Heidelbeerstauden mit vielen Früchten dran. Dann die schönen Blumen und die sehr vielen Vögel, die auf den Bäumen und auf den Blumen landen, wohl um dort ihre Leckerbissen zu picken. Wir treffen auch einen Vogel-Beobachter mit einem Monster-Stativ und einem teuren Swarovski-Teleskop. Auf unsere Frage nach den Objekten meint er Vögel auch,  aber vor allem viele seltene Libellen.

    Pünktlich zur Mittagsrast kommen wir zu einer Hüttte im Mittlers Seefeld und schliessen hier wir wieder zu den beiden Frauen auf. Wir picknicken hier und beraten über den weiteren Weg, da es verschiedene Möglichkeiten mit unterschiedlichen Wanderzeiten gibt. bereits vorgängig hatten wir auf der Karte von hier aus einen Stich-Wanderweg (wie sagt man dem beim Wandern?) zum Tropfloch ausgemacht, ca 250m Aufstieg also fast eine Stunde Wanderzeit hin und zurück. Dann sehen wir auf dem Wanderwegweiser vor Ort „Tropfsteinhöhle“, was ja etwas spektakulärereres wäre als nur ein Tropfloch. Da wir genügend Zeit haben, beschliessen wir, das noch mitzunehmen. Es geht durch ein abenteuerliches kleines Tal hoch mit einigem an Kraxelei , aber oben doch eher enttäuschend wirklich nur ein Loch, dem wir wenig abgewinnen können.

    Wir bleiben nicht lange, gehen zurück und setzen den Weg fort via Vorders Seefeld direkt zum Abstieg Richtung Habkern. Auch hier hat es recht steile Wege und erstaunlicherweise sehen wir, dass die Kühe diese Wege gehen. Wir sind nun definitiv im Gebiet, das Kurt aus seiner Jugend bestens kennt, den Skilift, die Wege ins Dorf runter bis zu unserem Ziel, dem Gasthaus Bären. Im kühlen Garten trinkt er deshalb ein grosses Rugenbräu aus Matten wohl aus Nostalgie, und erzählt uns, dass er mit seinem Grossvater Bier hierher brachte. Als Kenner der Details bringt Kurt für morgen eine Alternative ins Spiel, nämlich mit dem Alpentaxi zur Lombachalp zu fahren und von da den Weg auf den Hardergrat, weniger Aufstieg, dafür etwas länger, also ereservieren wir das Alpentaxi für morgen um 8.30 Uhr für den morgigen letzten Wandertag. Am Abend beim Znacht bestellen unsere Tischnachbarn zum Dessert ein Meringue. Das it so ein Riesending, es lässt selbst die berühmten Kemmeribodenbad-Meringues kümmerlich klein aussehen. So kommen wir mit diesem Ehepaar ins Gespräch. Wir staunen ab dem was sie uns erzählen: Ihr Auto hatte in Arosa (!) eine Panne, da sind sie kurzerhand auf die Mountainbikes gestiegen und sind via Chur – Oberalp – Furka – Grimsel – Brienzersee Interlaken hier gelandet, dabei wohnen sie in Oberrieden am Zürisee. Morgen fahren sie über die Lombachalp zum Kemmeriboden. Chapeau!

     

    Details zu dritten Tag: Karte, Distanz: 12.21 km; Wanderzeit total: 5.5 Stunden Aufstieg total: 761m; Abstieg total 737m.

     

    Von Habkern zum Harder Kulm

    Noch vor dem Frühstück gehen wir in die Bäckerei vis a vis des Bären den Proviant einkaufen. Danach gehen wir halb neun zum Dorfbrunnen, wo der Einstieg ins Alpentaxi ist. Es hat noch eine grössere Gruppe, die mit uns wartet, das stellt sich erst als komisch heraus, als die beiden VW-Busse kommen und in denen es gerade noch die drei Plätze frei hat, die wir reserviert haben und die anderen bleiben auf der Strecke. Nach und nach merken wir, dass der Rat von Kurt super war, wir werden auf die Lombachalp auf fast 1600 m, direkt unter dem Augsmatthorn gefahren. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Tagen, ist heute hier sehr viel los. Als erstes erstaunt uns die Angabe der Wanderzeit nach Harderkulm mit 3 Stunden(!), das finden wir überaus gering. Dann die vielen Autos, die Wandergruppen und dabei die vielen mit Turnschuhen (zum Teil mit weissen) bestens ausgerüsteten BerggängerInnen. Sie stürzen sich meist mit viel Enthusiasmus in das Abenteuer Berg. Dieser empfängt nicht alle gleich freundlich, nicht wenige versinken früher oder später weit über die Turnschuhe hinauf im Morast. Die meisten von ihnen werden wohl in Richtung Augstmatthorn gehen, das ist gut so, denn wir werden unter dem Suggiture nach rechts direkt auf den Hardergrat queren. Schön im Schatten und meist mit einer tollen Sicht in Richtung Hohgant oder runter nach Habkern geht es langsam aufwärts. Den Hardergrat habe ich als Teil des gesamten Brienzergrates natürlich noch in Erinnerung, wenn auch mit etwas gemischten Gefühlen. Auf dieser Gratwanderung war ich vor etwa 5 Jahren mit Willi, damals war ich wohl etwas überfordert mit dem über 25km langen sehr anspruchsvollen Weg. Dabei waren wir damals auf diesem Teil des Hardergrates, den wir heute schon nach 1 1/2 Stunden erreichten, schon über 8 anstrengende Stunden auf dem Weg. Aber heute sind wir guten Mutes und die Wanderung ist ja schon spektakulär, links von uns die ganze Pracht der Berner Oberländer-Riesen und ganz weit unten der Brienzersee. Rechts die Gegend, die wir die letzten Tage durchstreift haben. Noch geht es ganz gemütlich auf dem Weg auf dem Grat, dabei weiss ich haargenau, was uns noch erwartet. Die unendlich langen Passagen über die verdammten wurzellabyrinthigen Wanderwege – ein bisschen rauf – ein bisschen runter – wieder über Wurzelstöcke, endlos. Heute gehts – damals mit Willi kam wohl dazu, dass ich hundemüde war, dass es langsam sehr spät wurde, dass es zu guter Letzt noch anfing zu hageln. Immerhin wir kommen voran.

    Es gibt viele Wanderer, die in beiden Richtungen unterwegs sind. Es wird oft englisch gesprochen und hat auch viele Asiaten. So ist man dauernd am ausweichen und die wenigen milden Passagen über Alpweiden erweisen sich als richtiger Balsam. Später haben wir links die Aussicht auch Bönigen – Matten – Interlaken. Kurt schreibt ein Whatsapp an seinen Bruder Erich, der in Wilderswil eine Garage betreibt und mit dem wir auf der letztjährigen Tour einen schönen Abend verbrachten. Wir essn zu Mittag aus dem Rucksack und gehen weiter und lassen uns durch die schnelleren Leuten nicht stressen. Bei der Abzweigung, die zu einem Aussichtsturm führt, denken wir nein, mMachen wir nicht mit – sondern weiter, wieder rauf wieder runter über wurzelige Wege, so geht das bis wenige hundert Meter vor Harderkulm. Wir fühlen, dass dieser Viertäger langsam zu Ende geht, als wir den Hotelturm vom Harderkulm sehen. Es waren gute Tage, schade Willi, dass du nicht dabei sein konntest. Es tut jedes Jahr gut wieder und wieder solche Erlebisse anzupacken. Wir arbeiten uns langsam zurück in die normale Welt, hier mit den vielen Touristen. Dann in Harderkulm gehts in die Stand-Seilbahn,  und kurze Zeit später sind wir unten in Interlaken und schaffen es just noch in den ICE Interlaken- Frankfurt, mit dem wir noch gemeinsam bis nach Bern fahren. Als die Bar öffnet, besorgen wir uns drei Flaschen Bier und philosophieren noch einmal über die wichtigsten Ereignisse der letzten 4 Tage, schwelgen in Erinnerungen, bevor sich in Bern unsere Wege trennen, ich fahre nach Luzern, Kurt und Jürg nach Zürich.

     

    Details zu vierten Tag: Karte, Distanz: 9.21 km; Wanderzeit total: 5.5 Stunden Aufstieg total: 528m; Abstieg total 792m.

     

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    Salbit Höhenweg

    Dieses Jahr war für unsere traditionelle Herbstwanderung der ATZ-Gruppe vorgesehen ins Berner Oberland zu gehen. Kurt hatte die Route als ehemaliger Einheimischer organisiert. Leider hatte Kurt anfangs August einen leichten Hirnschlag erlitten, deshalb konnte dieser Plan natürlich nicht umgesetzt werden. Gott sei dank geht es Kurt wieder besser und die Tour im Berner Oberland ist ja sicher nächstes Jahr wieder ein Thema.

    Als Alternative haben Willi und ich uns kurzfristig entschlossen für drei Tage ins Göscheneralptal zu gehen. Der Wetterbericht meinte es gut mit uns mit einem Fenster von drei schönen Tagen anfangs September. Schon bei der Anreise nach Göschenen herrschte Traumwetter und der Hüttenanstieg führte uns durch schöne Wälder und Alpen auf 2’100 müM zur Salbithütte. Diese war an diesem Abend randvoll. Zur Hauptsache waren es Kletterer, wir sind ja im Kletterparadis des Salbitschijen. Zusammen mit den Wanderern ist die Hütte fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

    Wir verbringen einen interessanten Abend, am Tisch sitzen wir zusammen mit zwei Bergführern aus dem Tirol, die morgen den Salbit Südgrat klettern wollen und mit einem Berführer aus Pontresina, der mit seinem Kunden aus Österreich zum Westgrat will. Alle unsere Tischnachbarn mit ihrem strengen Programm morgen müssen bereits vor Tagesanbruch von der Hütte aufsteigen.

    Da nehmen wir es gemütlicher und sind erst um halb acht beim Frühstück –  die meisten Leute sind schon aus dem Hause. Es herrscht auch heute wieder Prachtswetter. Vor unserem Abmarsch zeigt uns Richi der Hüttenwart mit dem Fernrohr, das er auf den Südgrat richtet, wo die Kletterer schon einige Seillängen nach dem Einstieg zu sehen sind.

    Auch wir schultern die Rucksäcke und wandern stetig aufwärts Richtung Salbitbrücke. Der Weg zwischen hier und der Voralphütte, unserem Tagesziel ist als Alpinweg mit T4 gekennzeichnet. Langsam wird die Salbithütte kleiner, noch sind wir alleine, erst als wir zur Bücke gelangen überholen uns eine rüstige Wandererin und ein Ehepaar. Wir legen hier unsere Klettersteigsets an, weil gleich nach der Bücke schon die erste Leiter wartet

    Diese Brücke ist schon beeindruckend und beim ersten Betreten kommt schon ein etwas mulmiges Gefühl auf wenn es so schwankt. Gleich nach der Brücke wartet schon die erste Leiter. Es wird steiler und ausgesetzter. Abwärts und wieder aufwärts, so wird es den ganzen Tag weitergehen. Wir kommen zum Salbitbiwak, wo ein Alpinistenpaar übernachtet hat. Bevor die Brücke vor etwa 10 Jahren erstellt wurde, war dieses Biwak der Ausgangspunkt für die Kletterroute über den Westgrat. Heute kann man dank Brücke auch von der Salbithütte aus in ca 1 1/2 Stunden am Einstieg sein. Dann geht es richtig zur Sache – zuerst steil nach unten – etwas ausgesetzter – die ersten Seile und Steigstufen – und endlich die viel beschriebenen Leitern wieder hoch.

    Als wir diese ganze Kraxelei hinter uns haben gönnen wir uns an der warmen Sonne eine wohlverdiente Zwischenmahlzeit. Am gegenüberliegenden Hang versuchen wir den Weg auszumachen, den wir morgen gehen wollen. Nach dem Essen geht es weiter hoch bis über 2’500müM – vor uns die prächtige Sicht auf den Kranz mit den Dreitausendern mit Galenstock – Dammastock über Gwächtenhorn bis Sustenhorn im stahlenden Sonnenschein mit tiefblauem Himmel.

    Stein-Künstler haben hier den Weg mit speziellen Wegmarken und kunstvolle Steinmanndli geschmückt- einmal steht da sogar eine ganze Gallerie. Dann erblicken wir zum ersten mal ganz weit unten die Voralphütte. Wir nehmen es gemütlich und lassen uns nicht stressen, wir haben ja genügend Zeit.

    Nach einem sehr steilen Abstieg erreichen wir die Voralphütte, wo wir erneut sehr freundlich empfangen werden. Als erstes geniessen wir je ein Stück Linzertorte an der warmen Sonne: Im Gegensatz zur Salbithütte sind hier nur gerade 16 Leute hier, es sind ja auch nicht ganz so bekannte Kletterberge hier. Aber es ist eine gemütliche Hütte und wir werden fürsorglich umsorgt. Am meisten interessiert uns der Weg zur Bergseehütte, den wir morgen nehmen wollen und Silvia die Hüttenwartin zeigt uns wo es zur Horefellilücke geht. Eher etwas besorgt checken wir die Wetteraussichten für morgen mit allen möglichen Wetter-Apps und beschliessen dann bereits früh um 7 Uhr zu starten, weil das Wetter am Nachmittag umschlagen wird.

    Wir verbringen einen gemütlichen an unserem Tisch in einer gemütlichen Runde. An einem anderen Tisch ist eine Gruppe von Bergführer-Aspiranten, die wie wir hören um 4 Uhr aufbrechen wollen. Als ich um viertel nach 6 Uhr Willi wecke und aus dem Fenster schaue, hat es Nebel. Während dem Frühstück hoffen wir immer noch, dass sich dieser verziehen wird. Aber das ist verfehlte Hoffnung. Es bleibt neblig und nach einigen Diskussionen beschliessen wir abzusteigen, dafür aber bis nach Göschenen zu laufen.

    Wie gut es war, dass wir uns so entschieden haben, merken wir, als es bereits ganz fein regnet als wir zur Voralpkurve kommen. Wir beschliessen deshalb nicht mehr nach Göschenen zu laufen und den Heimweg anzutreten.

    Vielen Dank Willi, es war eine gute Sache.

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    ATZ_2018_Bilder

    von Sur En nach Sesvennahütte

     

    von der Sesvennahütte nach S-charl

     

    von S-charl zum Ofenpass

     

    vom Ofenpass nach Santa Maria

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    4 Tage in den Bündner Bergen

    An unserer Wanderung waren es dieses Jahr nicht mehr die vier Altherren vom ATZ, Röbi hat leider schon von Anfang an abgesagt und auch Willi konnte nur während zwei Wandertagen mit dabei sein. Also sind Kurt Spahni und ich am Nachmittag des 22. August nach Sur En im Unterengadin gereist und haben im Hotel Val Uina übernachtet. Es sind nur wenige Leute hier, obwohl es trocken ist und immer noch Ferienzeit ist. Beim Nachtessen fragen wir die Wirtin, wielange wir wohl wandern müssen zur Sesvennahütte, sie mustert uns kritisch und sagt 5 Stunden, was uns beruhigt. Nach dem Nachtessen gehen wir noch kurz nach draussen den Anfang des Weges erkundigen, damit wir morgen wissen, wo wir anfangen müssen.

    Durch das Val Uina und die Uina Schlucht

    Hotel Val d’Uina

    Sie zeigt uns den Weg

    Nach dem Frühstück um halb neun machen wir uns bereit für die 1’200 m Aufstieg, von dem wir viel gelesen und auch viele Bilder gesehen haben. Die Wetteraussichten sind so, dass wir damit rechnen müssen, dass es am späteren Nachmittag regen könnte, aber noch ist es trocken und wir wandern bei angenehm milden Temperaturen. Langsam arbeiten wir uns auf einer gekiesten Fahrstrasse das Tal hoch, und überqueren dabei auffallend oft die Uina über Brücken. Es ist ein enges Tal, beidseitig gesäumt mit Gipfeln jenseits von 2’500m Höhe. Schon früh überholt uns ziemlich zügig ein deutsches Ehepaar, die wir gestern im Hotel gesehen haben. Im kurzen Gespräch erfahren wir, dass sie das gleiche Ziel haben für heute. Andere, die uns überholen, wollen nur zur Schlucht um dann wieder zurück zu gehen. Was uns auf dem ganzen Weg auffällt, sind die enorm langen und breiten Bergflanken mit Schutthalden mit Steinen aller Grössen bis hin zum Kies, vielfach ohne jede Vegetation. Wir sehen auch neue Steinschlag- und Rüfenspuren vergangener grosser Niederschläge, auch in Form von Murgängen.

    Wir wissen, dass dies eine beliebte Bikerstrecke ist, so überholen uns immer wieder Gruppen von Bikern, einige von ihnen ziemlich verbissen aufwärts pustend, andere machen Witze beim Überholen, wieder andere sind am Ausruhen. Noch sind ja die (Fahr)Verhältnisse für Biker ideal, der Fahrweg ist ausreichend breit und bietet Platz für alle, keine Spur der vielzitierten Probleme Wanderer versus Biker. Wir kommen auf die Alp Uina Dadora, da wir wissen, dass es weiter oben eine Uina Dadaint gibt rätseln wir, ob dadora und dadaint unten und oben auf romanisch heisst, was wir letztlich nicht schlüssig herausfinden. Als wir dann zum „oberen“ Uina Dadora kommen, ist das sogar ein kleines Restaurant. Es ist aber noch viel zu früh zum einkehren. Gar nicht mehr viel weiter oben sehen wir schon den berühmten in den Fels gehauenen Weg der Schlucht und staunen, was für ein eindrückliches Werk hier schon vor dem

    ersten Weltkrieg geschaffen wurde. Einen Wanderweg vom Unterengadin zur damaligen Pforzheimerhütte des DAV kurz ennet der Grenze im damals noch österreichischen Südtirol zu bauen – gute Idee. Kurz vor dem „Felsenweg“ rasten wir auf einer ausladenden Ruhebank, neben zwei sympathischen Frauen, die uns erzählen, sie seien vorgängig auf der E5 von Oberstdorf nach Meran gewandert und hätten sich heute nur diese Schlucht anschauen wollen. Dann packen auch wir diesen einmaligen Weg an. Stetig geht es hoch – um die nächste Biegung und um die nächste und …, immer weiter, alles in die senkrechten Felsen gehauen. Unten rauscht der Fluss und oben ist der blaue Himmel, sofern man sich denn getraut weit genug herauszulehnen. Es begegnen uns viele Leute, einige kommen von oben, vor allem Biker mit den entsprechenden Schuhen, die von der Sesvennahütte kommen und „noch schnell“ die Schlucht herinziehen wollen, andere sind auf dem Rückweg, sie kamen von unten und haben das Schluchtfeeling eben genossen und steigen wieder ab.

    Am oberen Rand nach dem Ausstieg aus der Schlucht betreten wir eine Hochebene und meinen wir schon bald am Ziel zu sein. Da am Himmel dunkle Wolken aufziehen schalten wir keine Ruhepause mehr ein aber dafür einen Gang höher um schnell in die Hütte zu kommen. Beim nächsten Wegweiser wissen wir, dass es aber immer noch mehr als eine Stunde geht bis zur Hütte. Es fallen zaghaft die ersten Tropfen und wir denken, vielleicht, wenn wir noch schneller gehen, könnten wir es schaffen. Vergeblich – letztlich kurz vor der Grenze am Schlinigpass ziehen wir endgültig Regenjacke und -hose an. So marschieren wir durch den Regen und werden dauernd von den fast rennenden Bikern überholt, meist ohne jeden Regenschutz obwohl es nun zünftig herunterprasselt. Endlich erreichen wir die Hütte, berstend voll mit Touristen. Wir hängen die nassen Sachen zum Trocknen und nehmen mal zuerst Tee und Kuchen. Gut haben wir ein 6er Zimmer gebucht, das ist sicherlich angenehmer als die komplett vollen Lager. 

    Wir treffen wieder das nette deutsche Paar von heute früh, Martina und Jonathan heissen sie, die am gleichen Tisch wie wir sitzen. Wir erfahren, dass sie auch morgen das gleiche Programm vorhaben wie wir. Die Sesvennahütte ist von Schlinig im Vinschgau aus sehr einfach und schnell erreichbar, so gibt das gibt dann häufig den riesigen Ansturm. Trotz der vielen Besucher ist alles in dieser Hütte bemerkenswert gut organisiert, Bedienung, Essen und letztlich auch das die Verstauen der nassen Klamotten. Draussen hat es inzwischen aufgehört zu regnen und für auch morgen ist mit trockenem Wetter zu rechnen. Vor dem Schlafengehen schauen wir uns noch die Pforzheimerhütte an, die ca 300m neben der Sesvennahütte steht, aber nach einem Brand verlassen dasteht. Von aussen sieht die mehr als hundertjährige Hütte immer noch gut aus und scheint intakt.

    Daten: Wegstrecke 13km, Anstieg ca 1’200m, reine Wanderzeit 5 Stunden, Schwierigkeit durchwegs T2 und T3; siehe auf Karte

    Sesvennahütte bis S-charl

    Sesvenna- und im Hintergrund Pforzheimerhütte

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    Steile Schuttwege

    Nach dem Frühstück packen wir gleich hinter der Hütte die Etappe an, ansprechend steil aufwärts Richtung Fuorcla Sesvenna. Das Wetter scheint anfäglich ähnlich wie gestern nachmittag eher trüb und leicht bewölkt, bevor es später aufklart und sich ein ansprechender sonniger Tag entwickelt. Der Weg nach oben führt immer wieder über steile Schuttwege. Trotz der Höhe und des gestrigen Regens sind die Temperaturen immer noch recht angenehm, so dass wir im T Shirt laufen können. Auch heute überholen uns die schnelleren Gruppen, was uns in unserer Ruhe nicht sonderlich stört. Unten sehen wir die ganze Hochebene bis zum Eingang der Sesvennaschlucht.

    Auf der Fuorcla Sesvenna haben wir den höchsten Punkt der diesjährigen Tour erreicht 2’815m. Hier sind wir auch wieder zurück in der Schweiz, es hat denn auch Wegweiser und -markierungen beider Länder. Vor dem Abstieg betrachten wir das eindrückliche Panorama. Der Gletscher am Piz Sesvenna erscheint uns ziemlich ramponiert, trotz der über 3’200m Höhe, eine Dreierseilschaft ist dort auf dem Weg zum Gipfel. Es klart nun endgültig auf und etwas weiter unten lassen uns von der strahlenden Sonne wärmen und essen unseren Proviant. Der weitere Weg führt über ausgedehnte Blockhalden und Alpweiden ziemlich rasant ins Tal. Auffallend sind hier immer wieder Spuren eines ausserordentlich heftigen Gewitters, das vor zwei Jahren hier niederging. In S-charl treffen wir Willi, der nach hier angereist ist. Aber – die Reservation für das Hotel in dem wir hätten logieren sollen habe ich falsch genau um einen Monat zu spät gebucht (Schande). Gott sei Dank gibt es im zweiten Hotel Crusch Alba noch drei freie Betten, sonst hätten wir wohl auswärts schlafen gehen müssen.

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    Crusch Alba in S-charl

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    S-charl

    Das Crusch Alba entpuppt sich dann als wahres Bijou in jeder Beziehung, so dass der Schaden der Falschbuchung relativiert wird. Draussen hat es wieder angefangen zu regnen, aber drinnen ist es so heimelig. Zum Apéro und Nachtessen treffen wir dann wieder Martina und Jonathan, die auch hier logieren. Beim guten Weisswein zum Apéro und später beim hervorragenden Essen stellt sich heraus, dass die beiden unser Land eindrücklich gut kennen und auf allen Touren von denen wir berichten eben auch schon waren. Willi läuft zur Hochform auf im Bestreben für die beiden doch noch einen Vorschlag in irgend einem Winkel der Schweiz zu finden, den die zwei vielleicht noch nicht kennen. Wir verbringen einen sehr unterhaltsamen Abend über alle Landesgrenzen weg, noch lange schwärmen wir von Touren und Mehrtageswanderungen in unserem Lande danke. S-charl ist ein Bijou in den Bergen von dem ich nichts wusste, auch nicht, dass hier wurden während mehreren hundert Jahren Blei- und Silberminen betrieben wurden. Dafür wurde letztlich dieser abgelegene Ort auch gegründet – es ist schön hier und ich werde sicher wieder zurückkehren.

    Daten: Wegstrecke 10km, 600m Aufstieg und 1000m Abstieg, ca 6 Stunden reine Wanderzeit. Schwierigkeit T2 und T3 siehe dazu Karte 

    Von S-charl zum Ofenpass

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    Eher alte Wegweiser

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    Martina und Jonathan

    Den Regen von gestern Abend gibt es heute nicht mehr, aber dafür hängen am Morgen dicke Nebelschwaden über den Bergen. Ein mystische Stimmung, die schon ein wenig an den kommenden Herbst errinnert. Vor wir S-charl verlassen photographiere ich noch die prachtvollen Engadinerhäuser im kleinen Dorf. Unsere heutige Etappe ist auf dem Papier eher unspektakulär, für längere Zeit steigen wir auf einer Fahrstrasse zu den Alpen langsam höher, immer entlang dem Fluss Clemgia – Wasser, das dann ins schwarzen Meer fliesst. Nicht lange geht es und Martina und Jonathan überholen uns, heute allerdings haben sie aber ein anderes Ziel, sie laufen den Weg über den Passo della Crochetta nach Taufers im Münstertal, während wir in der Schweiz bleiben und zum Ofenpass laufen. Bei der Verabschiedung sagen sie uns auch noch ihr Programm von Morgen, wo sie von Santa Maria durchs Val Vau – Val Mora bergauf während wir im Sinne haben vom Ofenpass diese zwei Täler im Abstieg zu wandern.

    Nach ca einer Stunde durchbrechen die ersten Sonnenstrahlen die Nebelschwaden und es wird wärmer und wieder richtig angenehm zu laufen. Auf der Alp Astras im Weiler Tamangur Dadaint zweigen wir nach rechts ab und der Aufstieg Richtung Fuorcla Funtana da S-charl zum höchsten Punkt auf 2’430m. Vorher kommen wir auf eine weitere Hochebene, wo tausende runde mit Gras überwachsene Erdhügel von etwa 30 – 50 cm Höhe über eine grosse Fläche verteilt unsere Aufmerksamkeit erheischen. Wir treffen ein Paar aus Zürich, sie wandern den umgekehrten Weg. Kurz vor der Passhöhe rasten wir. wir denken, wir haben heute ja genügend Zeit ohne grosse Anstrengungen. Der Himmel ist zwar seit einiger Zeit bedeckt, aber nach Regen sieht es (noch) nicht aus.

    Kurz nach dem Pass kommen wir unvermittelt zu einem Skilift des Skigebietes Alp da Munt von Tschierv im Val Müstair. Wie die meisten Ski-Installationen sieht auch diese Station im Sommer traurig verlassen aus. Beim Weiterlaufen warnen uns Schilder betreffend der Mutterkuhhaltung von den Mutterkühen Abstand zu halten, aber alle, welche wir antreffen scheinen absolut friedlich. In der Ferne sehen wir die Bauten des Ofenpasses, aber um dahin zu gelangen müssen wir noch recht steil absteigen und kommen wieder unter die Baumgrenze in den Wald mit Arven, Föhren und Lärchen. Der Himmel verfinster sich weiter und wir hoffen noch trocken die letzte halbe Stunde bis zum Pass zurücklegen zu können. Dank eines Fahrweges kommen wir in der Ebene auch ziemlich schnell voran, bis uns das letzte Stück im Wald wieder etwas langsamer werden lässt. Gerade als wir die Ofen-Passstrasse zum Passhöhenhotel Süsom Givé überqueren fängt der Regen richtig an.

    Wir sind hier im Lager einquartiert, was ziemlich im Kontrast steht zum feinen Hotelzimmer von gestern abend, aber es kostet ja auch weniger. Beim Nachtessen treffen wir eine Reitergruppe mit etwa 12 Teilnehmern, die heute den langen Weg von Santa Maria zum Pass mit ihren Pferden hochgekraxelt sind. Die Tiere lassen sie in Buffalora weiden, ca 2km unterhalb der Passhöhe auf einer Alp. Als wir ins Bett gehen regnet es immer noch und es fallen sogar die ersten Schneeflocken. Wir hoffen einfach, dass es nicht zuviel Schnee gibt.

    Daten: Wegstrecke 13km, Aufstieg und Abstieg je 300m, reine Wanderzeit ca 5 Stunden, Schwierigkeit T2; siehe dazu Karte

    Vom Ofenpass durchs Val Mora Val Vau nach Santa Maria

    Val Mora 01 DSCF4219 BearbeitetVal Mora 22 DSCF4240Noch vor dem Frühstück inspiziere ich die Verhältnisse draussen, es ist kalt geworden und es hat auch ganz wenig Schnee gegeben, vor allem die Bergspitzen sind überzuckert, aber es regnet nicht mehr und bleibt auch den ganzen Tag trocken. Wir essen zügig das Frühstück, denn wir wollen bald weggehen – die heutige Etappe wird lang. Vor dem Abmarsch ziehen wir uns noch Mützen und Handschuhe an. Direkt vom Pass müssen wir etwa 300m aufsteigen zur Döss da las Plattas auf der Hochebene Jufplaun. Schnee gibt es hier keinen mehr und auf der Alp grasen immer noch Rinder und auch Pferde. Es ist eine seltsam karge weite Welt hier oben im Grenzgebiet zu Italien. Wir haben gestern festgestellt, dass die Ofenpasshöhe zwar noch zur noch zur Gemeinde Val Müstair gehört, 18,6km weit weg, dass aber gleich nach der Passhöhe gegen Westen Zernez anfängt, mehr als 21 km weit weg – da wären wir im Unterland ja schon zehn Dörfer weiter. Auf unserem Weg durch die Hochebene sehen wir ein grosses steinernes Haus, das ich später auf der Karte als Chasa da Cunfin, als Grenzhaus identifiziere und es geht tatsächlich ein Weg nach Italien zum Livigno Stausee. Ob hier wohl je Grenzwächter waren? Am Ende der ausgedehnten Ebene haben wir einen herrlichen Ausblick auf das Val Mora, das zusammen mit dem Val Vau ein Paralleltal zum Val Müstair bildet. Hart an der Grenze zu Italien wird das Tal von vielen als das schönste Tal der Schweiz bezeichnet.

    Von hier oben gesehen scheint es, dass dieses Tal talauswärts ansteigt und als wir dann in die Talsohle kommen, wird auch klar warum. Das Wasser des Flusses, der Aua di Val Mora fliesst in Richtung uns entgegen und entwässert in den Lago di San Giacomo di Fraéle bei Bormio, also ein weiterer Übergang in unser südliches Nachbarland. Wir sind mittlerweile auf 2’100m und kommen bald zur Alp Mora – ein Bijou – alles blitz blank geputzt. Die Älplerin erklärt uns, dass jeden Tag nach dem Melken alles abgespritzt wird und dass die Milch ins Val Müstair zur Verarbeitung transportiert wird. Die Alp hat ein kleines Restaurant und wir stillen unseren ersten Hunger. Die Nebentische haben Gruppen von Bikern besetzt, für diese ist dieses Tal ein Paradies – kein Verkehr und gute Bikerwege. Vor dem Start heute früh und angesicht des Höhenunterschiedes hatten wir uns eher vorgestellt, dass wir zur Hauptsache talabwärts wandern müssen. Auf unserem Weiterweg aber staunen wir, wie lange dieses Tal bis zur Wasserscheide im Osten noch ansteigt – nicht dass es sonderlich steil wäre aber laaaang ist es. Es bläst ein kühler Wind talaufwärts und bei der Mittagspause ziehen wir unsere Jacken an bei prallem Sonnenschein und da kommen sie wieder Martina und Jonathan auch in Jacken gehüllt. Die beiden haben heute noch zünftiges vor, überqueren sie doch die trennende Bergkette und wandern nach Tschierv im Val Müstair – lieber sie als wir also sagen wir ein letztes Mal Ciao. Wir schaffen es doch noch zur Wasserscheide bei Döss Radond auf 2’200m, wo der Weg sich endlich ganz langsam abwärts neigt ins Val Vau. Gefühlt sind wir seit einer Ewigkeit unterwegs, es sind aber erst 3/4 der Gesamtstrecke geschafft und es harrt noch der Abstieg bis Santa Maria auf 1’350m. Das Tal öffnet sich langsam und gibt den Blick frei für die Ötztaler Alpen hinter dem Reschensee Gebiet. Die Landschaft hier ist fantastisch, aber es dauert immer noch eine ganze Weile bis wir in der Ferne die ersten Häuser des Val Müstair oder vielleicht auch des Vinschgaus sehen. weiter unten bei Punt 1’621 kommen wir doch tatsächlich zu einer Postauto Haltestelle, und der Fahrplan verrät, dass es 2 Kurse pro Tag an Werktagen gibt, und heute ist Sonntag, aber diese letzte halbe Stunde schaffen wir auch noch ohne Postauto. In Santa Maria hat uns die Val Mora 52 DSCF4270Zivilisation wieder, wir logieren wieder im feinen Hotel Val Mora 55 DSCF4273Crusch Alba – auch dies eine hervorragende Adresse. Kurt und ich setzen uns in die Sauna um die müden Knochen ein wenig zuregenerieren, während Willi die Kultur und Geschichte von Santa Maria auskundschaftet. Nach dem Nachtessen gehen wir in ein Kuriosum hier. Die kleinste Bar der Welt laut Guniness Buch der Rekorde und lassen uns wortreich von Lord Gunter Sommer in die Geheimnisse der Whisky Kultur einweihen, den er selber hier in Santa Maria brennt. Die Tour ist zu Ende und morgen geht es dann den Weg zurück nach Hause.

    Daten: Wegstrecke 21km Aufstieg 530 m und Abstieg 1’200m, reine Wanderzeit ca 7.5 Stunden, Schwierigkeit T2 T3; siehe dazu Karte

    Mehr Bilder gibt es hier