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Argentinien Salta – Nordwesten – Mendoza

Auf dem letzten Teil der Fahrt nach Salta wird die Landschaft gebirgiger mit viel Wald und Fincas und zum Schluss fährt man in die Stadt wie in einen Kessel umrahmt mit Bergen. Es ist eine Stadt mit einer halben Million Einwohnern, das Zentrum des Nordens von Argentinien und ein beliebter Ausgangspunkt für Reisen im Nordwesten. Wir steigen im Hotel Candela ab, ein symathisches kleines Hotel, insgesamt bleiben wir hier 9 Tage.

Sicht vom San Bernardo
Sicht vom San Bernardo
Salta Gondelbahn von Garaventa
Salta Gondelbahn von Garaventa

Am Tag nach unserer Ankunft regnet es zum ersten Mal ziemlich heftig seit unserer Ankunft in Argentinien, die Abläufe auf der Strasse schlucken das Wasser nicht mehr und so faulenzen wir einen halben Tag. Auch am nächsten Morgen hängt noch Nebel, bevor sich langsam wieder der Normalzustand mit Sonnenschein einstellt.

Die Temperaturen liegen dank Regenabkühlung bei nur noch 30°. Salta liegt auf einer Meereshöhe von 1’100m. Um einen besseren Überblick zu bekommen fahren wir mit dem Teleferico auf den nahen Cerro San Bernardo. Wir staunen nicht schlecht als wir sehen, dass die Seilbahn von Garaventa in Goldau gebaut wurde. Und wir mutmassen, ob wohl jedes Jahr ein Monteur dieser Firma nach Argentinien kommen müsse und wie sich die Monteure um diese Aufgabe reissen. Die Fahrt ist relativ kurz, aber von oben hat man eine prächtige Aussicht über die ganze Stadt. Wie alle Städte in Argentinien, die wir bis jetzt hier kennen, ist auch Salta mit rechtwinkligen breiten Strassenzügen und vielen Bäumen angelegt. Die Fläche der Städte ist meist sehr gross und die Entfernungen der Quartiere sind riesengross. Auf dem Gipfel hat es einen künstlichen Wasserfall und das obwohl Wasser hier rar ist. Wir laufen den Berg hinunter auf einem schön angelegten Weg mit 1070 Stufen. Am Fusse des Berges kommen wir an einem Riesendenkmal von General Güermes vorbei. Es gibt wohl kaum einen Platz in Südamerika, auf dem nicht ein Denkmal und ein Brunnen steht, dennoch reden nur wenige Leute mit uns über ihre Geschichte, oder wir haben die Patrioten oder die Kritischen noch nicht gefunden. Neben dem Denkmal stehen die Villen der Reichen, Superhäuser, auch hier scheinen die Unterschiede der Einkommen sehr gross zu sein.

Weil Salta der Ausgangspunkt für sehr viele Ausflügen in den Norden ist, gibt es hier eine grosse Anzahl Tourorganisatoren. Wir buchen bei einem von Ihnen eine Zweitagestour nach den Salinas Grandes und Humahuaca mit Übernachtung in Purmamarca, eine Gegend, die vor allem bekannt ist für die 7-farbigen Felsen an den Bergen. Eine weitere Tour für den Donnerstag nach Cachi. Beides sind Touren mit mehr als 350km zum Fahren, für die Fahrten ist jeweils ein Führer dabei und trotzdem kostet das ganze etwas mehr als CHF 200 für uns beide.

 

Auf der ersten Fahrt mit einem Minibus werden wir in Purmamarca ausgeladen und von da geht es mit 2 Personenwagen über Den Paso Colorado, mit knapp über 4000 müM zu den Salinas Grandes Del Noroeste. Es ist einer der diversen ausgetrockneten Salzseen in dieser Gegend, deren berühmtester sicher der Salar de Uyuni in Bolivien etwa 600km nördlich von hier ist. Der See Salinas Grandes ist etwa 800km² gross und es wird hier auch Salz abgebaut. Die diversen Salare oder Salzseen der Gegend entstanden durch tektonische Verschiebungen, die bewirkten, dass das Wasser nicht mehr zu- und ablaufen konnte, was zum Austrocknen der Seen führte. Sie liegen alle auf über 3000müM. Überrall herrscht gleissenhelles Sonnenlicht, zum Bräunen wären es ideale Verhältnissend und es ist trotz  der HöHe von über 3’500 müM angenehm warm. Susy nahm sich ein Bad der Beine in einem der ausgehobenen Bassins. Nach dem Trocknen sind ihre Beine mit einer weissen Salzschicht überzogen.

 

Wir fahren über den Pass zurück und kommen wieder nach Purmamarca, wo wir das Hotelzimmer beziehen wollen. Die Wirtin gibt uns Bescheid, sie hätte uns gestern erwartet und für heute habe sie keine Zimmer mehr. Nach einigem Verhandeln bekommen wir zum fast gleichen Preis ein Zimmer mit 10 Betten und Dusche für uns alleine. In Purmamarca machen wir gegen Abend eine Rundwanderung rund um den Cerro, einem Berg mit einer tiefroten Farbe. Zurück auf dem Hauptplatz des Dörfchens, haben sich ganz viele vor allem junge einheimische Rucksacktouristen versammelt, es gibt Musik und eine gute Stimmung.

Am nächsten Tag gehen wir um halbelf zum vereinbarten Treffpunkt, wo auch der Bus von Salta herkommend wieder einfahren sollte. Um viertel vor elf rufe ich mal auf das Büro an und mir wird versichert, der Bus komme bald. Aber es ist nach elf, als ein Mann mit einem Zettel kommt und mich fragt, ob ich Peter sei! Der Bus hat heute an einem ganz anderen Ort gehalten als gestern – aber irgendwie kommt es immer wieder gut. Wir fahren heute zur Quebrada Humahuaca, ein weiterer Ort mit den berühmten Farben in den Felsen, die sich im Verlaufe des Tages verändern. Humahuaca ist eine schöne kleine Stadt, leider etwas vertouristet. Auf der Rückfahrt halten wir noch bei einem Obelisk an, der auf dem Wendekreis des Steinbockes liegt, viel ist nicht zu sehen. Mehr allerdings in Tilcara, einem grössern Ort in dessen Nähe eine Ausgrabungstätte eines präkolumbianischen mit zum Teil etwas patetischen Rekonstruktionen von diversen Steinhäusern der Inkas.

 

Zurück in Salta verbringen wir den nächsten Tag in der Stadt um dann am Donnerstag den nächsten Ausflug nach Cachi zu reisen. Wir unternehmen diese Tour mit einer Deutschlehrerin aus Buenos Aires und deren Tochter. Cachi ist eine Stadt in den Bergen in den Valles Calchaquies, sehr abgelegen und die Bilder, die wir vorher gesehen haben, zeigen den Parque Nacional los Cardones, eine riesige Gegend mit hohen Kandelaber-Kakteen (Cardoes) in den abenteuerlichsten Formen. Wir lernen, dass es eine ganz spezielle Art sind, die bis zu 16m hoch werden. Das ist umso erstaunlicher, da sie in dieser äusserst trockenen Gegend nur etwa 7cm por Jahr wachsen. Von ca 80’000 Samen, die eine Pflanze im Jahr produziert, keimt nur eine einzige und diese braucht für die ersten Jahre den Schutz eines Strauches, der hier wächst, vor Wind und Sonne. Wir sehen auch immer wieder, dass auch das Holz dieser Kakteen für Möbel und zum Teil auch für Decken in den Wohnungen gebraucht wird. Wir sehen hier auch zum ersten Mal in Argentinien Condore und zwar gleich deren sieben.

 

Cachi, von den Einheimischen als Stadt bezeichnet, ist ein wunderschönes Dorf mit vielen kolonialen Bauten und umgeben von einem Kranz von Bergen, die allesamt mehr als 3’000m hoch sind. Kurz vor Cachi essen wir in einem wunderschönen Restaurant in Payogasta zu Mittag. Neben dem Restaurant ist in einer alten Finca ein vornehmes Hotel eingerichtet, edel aber etwas abgelegen.

In Salta zurueck machen wir noch einige kleinere Ausfluege in die Umgebung. In den letzten Tagen ist sehr viel los in Salta, denn die Rally Dakkar, die dieses Jahr durch die Laender Argentinien, Bolivien und Chile führt, macht 3 Tage Pause hier. Man sieht lauter riesige 4-Radantriebautos mit Nummernschildern aus vielen Ländern, aber vornehmlich aus diesen drei Ländern, so dass man den Eindruck bekommt, dass diese Rally eine Art Zeitvertreib der Reichen von da ist, denn das sind Autos, die sich 99% der Bevölkerung gar nie leisten koennten. Am Tag vor der Abreise nach Mendoza regnet es noch einmal und so macht es uns nichts aus von hier weg zu gehen. Wir fliegen nach Mendoza, per Bus haetten wir mit unserer Pace 4 Tage gebraucht.

Schon von oben präsentiert sich Mendoza vor allem trocken mit riesigen gruenen Feldern. Mit einer Niederschlagmengen von lediglich 250mm im Jahr, muss alles kuenstlich bewässert werden, was wachsen soll. Vor allem auch der Wein, für den Mendoza ja so bekannt ist. Wir haben hier für 5 Tage eine kleine Wohnung gemietet. Nach der Beratung durch Marcello unserem Wirt machen wir eine Velotour zu den Weingütern. Das stellt man sich so romantisch vor, wie bei uns die schönen grünen Weinberge des Burgund oder der Toskana oder die Terrassenanlagen des Wallis oder des Piemont. Nein, hier geht es erst mal mit dem Bus 40 Minuten durch Vorstädte und Industriegebiete raus, dann sagt uns der Busfahrer hier müssen wir aussteigen, hier habe es Velovermietungen. Tatsächlich finden wir eine und der Vermieter erklärt uns anschaulich, zu wem wir gehen sollen. Wir finden auch gleich die Finca Domiciana, wo wir eine fachkundige Führung erhalten.

 

Zwei weitere Ausflüge fuehren uns in die Berge von Mendoza bis zur chilenischen Grenze. Die Reise geht entlang des Rio Mendoza und nun lernen wir auch, woher das Wasser fuer die vielen Bewässerungen stammt, nämlich von den Anden, von den Gletschern und von den vermehrten Niederschlägen dort. Dieser Fluss fuehrt dann auch viel Wasser, das oberhalb von Mendoza in einem künstlichen See gestaut wird. Die Reise geht immer durch dieses Tal. Neben der Strasse hat es noch eine stillgelegte Eisenbahn, die frueher nach Chile führte. Die Distanz von Mendoza bis zur chilenischen Grenze ist 215km lang, dann geht die Strasse in einen Tunnel, die Touristen werden aber ueber eine Naturstrasse in einer halsbrecherischen Fahrt auf den Pass auf 3’800müM geführt. Oben bläst schon ein heftiger Wind und wir sind froh, dass wir die Jacken mit genommen haben. Am Weg hierher hatte es das erste argentinische Skigebiet, in das nach europäischen Vortellungen wenige Skifahrer hingehen würden. Hingegen ist das nahe gelegene Puente de Inca, ein Ort, wo sich der Rio Las Cuevas ein Loch durch den Felsen gebohrt hat. Aber auch die gelbrötlich verfärbten Felsen, die zu einem (stillgelegten) Thermalbad gehören, machen den Ort fast zu einem Fantasieland, natürlich mit dem üblichen Touristenrummel.

 

Den letzten Ausflug machen wir nach Cacheuta, wo es warme Quellen gibt. In einer herrlichen Flusslandschft liegt dieses Bad und wir lassen uns verwöhnen und zu Mittag gibt es ein reichhaltiges Buffet. Am Nachmittag schmieren wir uns noch einmal gründlich  mit Schlamm ein, lassen die Seele baumeln, bevor wir nach Mendoza zurückkehren, wo wir am Abend den Nachtbus nach Cordoba nehmen. Diesmal haben wir sogar Suiten gebucht, es zahlt sich aus, wir schlafen herrlich.

Weitere Erlebnisse folgen spaeter. Mehr Bilder zu diesem Teil der Reise finden sich hier